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Pascal Ortner

- Februar 04 2022

Olympia 2022 Boykott? Was ist faul an den Olympischen Winterspielen?

Olympia 2022 Boykott? Was ist faul an den Olympischen Winterspielen? Fangen wir an: Am Freitag, den 4. Februar 2022 beginnen die XXIV. Olympischen Winterspiele in Peking. Ja, sie haben richtig gehört: Peking. Aber war Peking nicht auch Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2008? Ja, denn Peking ist die erste Stadt überhaupt, die sowohl die Olympischen Sommer- als auch Winterspiele austrägt. Aber wie kann das von den äußeren Bedingungen überhaupt sein? Generell ist Peking geprägt von einem gemäßigten Kontinentalklima. Das heißt, es gibt feucht-warme Sommer mit Höchsttemperaturen von bis zu 40 °C. Durchschnittlich schwanken die Temperaturen von 1,6 °C im Januar bis 30,8 °C im Juli.

Nachts sinken die Temperaturen um bis zu 10 °C. Daher gibt es in den Wintermonaten von November bis Januar Durchschnittstemperaturen von deutlich unter null Grad. Das liegt an dem eisigen Wind aus der Mongolei. Schneefall gibt es tatsächlich auch in Peking. Sage und schreibe fünf Zentimeter fallen hier im Jahr. Die Wetterprognosen für die kommenden 18 Tage, in denen die Winterspiele stattfinden, lauten auf durchschnittlich 5 °C und strahlendem Sonnenschein unter Tags und -4 °C in der Nacht. Wer sich etwas mit Schnee auskennt der weiß, dass dieser aber nur liegen bleibt, wenn der Boden auf unter 0 °C abgekühlt ist.

Das wird sich in Peking aber niemals ausgehen. Deshalb werden es die ersten Olympischen Winterspiele, die komplett auf Kunstschnee ausgetragen werden. Dass zur Produktion des Kunstschnees benötigte Wasser wurde mittels Leitungen aus 60 km Entfernung an einen der drei Austragungsorte Yanqing transportiert. Dabei herrscht in Peking seit Jahren Wasserknappheit. Die Hauptstadt Chinas verbraucht im Jahr 3,6 Mrd. Kubikmeter Wasser. In den letzten 10 Jahren ist der Grundwasserspiegel unter Peking um 10 Meter gesunken. All das passiert in einer Zeit, in der tagtäglich über Umweltschutz, Nachhaltigkeit, erneuerbaren Energien und all die Dinge, die die Welt besser machen sollen, diskutiert wird.

Olympia Boykott 2022

Doch Umweltschutz interessiert den Staatsoberhaupt von China, Xi Jinping überhaupt nicht. Er ließ eigens ein Naturschutzreservat verkleinern, um die Austragungsstätten erbauen zu können. Das Budget wurde mit insgesamt 3,5 Mrd. € berechnet. Man fragt sich, wer genau hier den Taschenrechner in Händen gehalten hat. Denn angeblich hat alleine die olympische Bobbahn 2,3 Mrd. € gekostet. Es wird kolportiert, dass China insgesamt 35 Mrd. € in die Winterspiele investiert hat. Das ist, wie vieles andere auch in China, aber nur eine Dunkelziffer.

Wenn man die Kosten der Bobbahn auf die Fahrten, die inklusive aller Trainings der verschiedenen Nationen und den Fahrten, die bei Olympia gefahren werden herunter rechnet, dann kostet eine Fahrt ca. 250.000 €. Die Bahn wird wahrscheinlich, wie alle anderen Bauten der Spiele auch, danach nicht mehr genutzt. Zhangjiakou heißt das zweite beschauliche Örtchen, in dem Teile der Winterspiele ausgetragen werden. Ca. 180 km nordwestlich von Peking liegt dort unter anderem das nationale Biathlon- sowie Skisprungzentrum. Es wurde eigens ein fahrerloser Hochgeschwindigkeitszug dorthin errichtet. Kostenpunkt ca. 9 Mrd. €.

Aber die Hauptstadt Chinas ist bei weitem nicht der einzige Austragungsort von Olympischen Winterspielen, der das im Vorhinein ausgerechnete Budget überschritten hat. In den letzten 50 Jahren hat es keine Stadt geschafft, sich auch nur annähernd an die Kosten zu halten. Im Durchschnitt wurde das Budget um bis zu 156 % überschritten. Sotschi, dort fanden die Olympischen Winterspiele 2014 statt, kostete anstatt der errechneten 12 Mrd. $ am Ende beinahe 60 Mrd. $. Je näher die Olympiade rückt, umso lauter wird die Kritik an der Vergabe des IOC (International Olympic Committee) an Peking.

Warum wurden die Spiele 2015 bei der Versammlung in Kuala Lumpur eigentlich an China vergeben? Die Wahl fiel mit 44:40 Stimmen für Peking und gegen Almaty (Kasachstan) aus. Peking ist mit 21,5 Mio. Einwohner eine weltbekannte Metropole. Almaty hat hingegen kaum jemand jemals gehört. Es liegt am Fuße des Tian-Shan-Gebirges im Südosten von Kasachstan, hat ca. 2 Mio. Einwohner und lebt generell von der Lebensmittelproduktion. Das alles hört sich jetzt ziemlich unterschiedlich im Gegensatz zu Chinas Hauptstadt an. Bei genauerer Betrachtung sind sich diese beiden Orte jedoch relativ ähnlich.

Beide Städte liegen in autoritär regierten Ländern. Dies bedeutet, dass keine andere Meinung, als die des Staatsoberhauptes zählt. Die Bevölkerung wird unterdrückt und gleichzeitig wird verhindert, dass die Presse kritisch berichten kann. Somit ist die Bahn frei, egal was für ein Schaden mit was auch immer angerichtet wird. Zuvor hatten sich Städte, die eine gute Chance hatten den Zuschlag für die Winterspiele zu bekommen, nach und nach zurückgezogen. Der Grund liegt auf der Hand. Die Bevölkerung hatte schlichtweg keine Lust auf diesen Irrsinn. In Volksentscheiden fiel eine Bewerbung nach der anderen.

Auch München hatte sich damals beworben. Neben dem Naturschutz waren es hauptsächlich die Knebelverträge des IOC unter der Leitung von Dr. Thomas Bach, der seit 2013 Präsident dieser mehr als fragwürdigen Einrichtung ist, die eine Austragung in Bayerns Landeshauptstadt verhinderten. Fragwürdig deswegen, weil erst kürzlich Christophe Dubi, seines Zeichens Olympic Games Executive Director, in einem Interview behauptet hat, dass es bei den Olympischen Spielen niemals um Politik geht. Dabei sind Sport und Politik seit jeher fest miteinander verbunden. Vor allem bei den Olympischen Spielen.

Wer hat nicht die Bilder von 1968 im Kopf, als schwarze Olympiasieger am Treppchen die geballte Faust nach oben hielten. Das war das Zeichen der „Black Power Bewegung“. Oder das Attentat 1972 in München, als 11 Israelis von der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ ermordet wurden. Man braucht aber gar nicht solange zurückblicken. Denn erst 2014 kam die „Black Lives Matter“ Bewegung ins Rollen. Sportler aus aller Welt machen seitdem und bis heute vor dem Beginn eines Wettkampfes den Kniefall. In dieser Hinsicht muss man Herrn Dubi klar widersprechen. Sport und vor allem Olympia sind immer politisch.

Vor allem, wenn die Spiele zum zweiten Mal an ein Land wie China vergeben werden. Ein Land, in dem die Demokratiebewegung unterdrückt wird und das eigene Volk, sowie bestimmte Minderheiten verfolgt werden. Wie zum Beispiel die Uiguren. Eine muslimische Minderheit, die im Nordwesten Chinas beheimatet ist. Rund eine Million Uiguren sollen sich in sogenannten Umerziehungslagern befinden. Dort erfahren sie körperliche Gewalt und werden einer Gehirnwäsche unterzogen. Von China selbst wird dieses Vorgehen als Kampf gegen den Extremismus und zur Deradikalisierung der Muslime bezeichnet.

Olympia 2022 Boykott

© Eleventh Hour Photography/Alamy Live News

Olympia 2022 Boykott

Ein Fakt, der vielen Nationen sauer aufstößt. Im Vorfeld der Olympischen Spiele haben daher viele Staaten mit Boykott gedroht. Bereits 2008 hatte man gehofft, dass sich durch die Olympischen Sommerspiele in Chinas Hauptstadt etwas an dieser Situation ändert. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Man hat also nichts aus den Fehlern gelernt. Dabei wären die Olympischen Spiele die perfekte Bühne, um auf solche Missstände aufmerksam zu machen. Naja, immerhin wird das sogenannte „Vogelnest“, das Nationalstadion in Peking, nochmal für die Winterspiele genützt.

Ach ja und dann war da noch Corona. Das Virus, das eine weltweite Pandemie auslöste, hatte Ende 2019 seinen Ursprung in der chinesischen Metropole Wuhan. Rund 1000 km südlich von Peking. Bis heute leidet die ganze Welt an dem Virus. Und auch die Olympischen Spiele in Peking stehen im Zeichen von Covid-19. Bis zum 3. Februar 2022, also einen Tag vor der Eröffnungsfeier, meldete das IOC insgesamt 287 positive Fälle bei den verschiedensten Sportlern. Das entspricht bei ca. 2900 Teilnehmern aus 90 Nationen ungefähr 10 %. Tendenz steigend. Und das obwohl sich alle Athleten in der sogenannten olympischen Blase befinden.

Generell gilt bei den Spielen ein strenges Corona-Sicherheitskonzept. Alle Beteiligten, egal ob Sportler, Journalisten oder andere mitwirkende Personen, sind komplett vom Rest der chinesischen Bevölkerung getrennt. Wer sich ansteckt, kommt in ein eigens für solche Fälle vorgesehenes Isolations-Hotel. Nur nach zwei negativen PCR-Tests im Abstand von mindestens 24 Stunden können die Betroffenen dieses vor Ablauf von zehn Tagen wieder verlassen. Nach dieser Frist ist nur noch ein negativer PCR-Test nötig. Für viele Sportler war Corona mit ein Grund sich zu überlegen, ob man überhaupt nach Peking reist.

Doch die meisten Athleten haben gar keine andere Wahl, als bei den Olympischen Spielen anzutreten. Denn nur dort haben Disziplinen wie Curling, Bob, Eisschnelllauf und all die anderen Randsportarten auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Die Sportler sind auf das Geld der Sponsoren angewiesen. Und unterm Strich werden die Athleten als Statisten für den IOC missbraucht, um mit dem Premiumprodukt Olympia Milliarden zu verdienen. Einmal mehr geht es mal wieder nur ums liebe Geld. Dr. Thomas Bach meinte 2021, dass die Spiele in Peking die Vision Chinas rund 300 Mio. Menschen für den Wintersport zu begeistern Wirklichkeit werden lässt.

Ein gigantischer Markt, der in wenigen Jahren bis zu 160 Mrd. $ wert sein soll und an dem natürlich jeder mitverdienen will. Da fragt man sich, was aus dem ursprünglichen Olympischen Gedanken geworden ist. „Dabei sein ist alles!“ wird mit einer Vergabe der Olympischen Spiele an eine Stadt wie Peking mit Füßen getreten. Dabei bedeuten die Spiele für die diversen Sportler alles. Sie trainieren teilweise vier Jahre lang tagtäglich für dieses Event. Freuen sich darauf sich mit anderen Menschen zu treffen und friedlich zu kommunizieren und zu feiern. Und natürlich, um uns Zuschauern Gänsehautmomente zu bescheren.

Wo sonst würde man ein Bob-Team aus Jamaika zu Gesicht bekommen oder von einem chilenischen Skiteam erfahren, welches ohne Ausrüstung anreist, außer bei Olympia. Und genau um solche Kuriositäten und um den Sport an sich sollte es bei Olympia gehen!

Quellen:

wetter.de

daserste.de-Spiel mit dem Feuer

sportsbusiness.at

wikipedia

sportschau.de

sueddeutsche.de

sportbuzzer.de

faz.net

bild.de

 

Pascal Ortner

Experte für Fußball

Als ehemaliger Fußballprofi in Österreich und Belgien kennt sich Pascal mit der Materie bestens aus. Mittlerweile ist der Familienvater im Grenzgebiet zu Deutschland sesshaft geworden. Sein Hauptaugenmerk für Wettbonus.net gilt dem Erstellen von neuen Texten für die erste und zweite deutsche Bundesliga. Außerdem hat er bereits diverse Artikel für das Magazin auf der Webseite geschrieben. In seiner Freizeit trainierte Pascal die G-Jugend Mannschaft in seinem Heimatort in der auch seine beiden Söhne Fußball spielen. Des Weiteren ist er Cheftrainer in der Bezirksliga in Bayern, genießt gerne die Natur auf dem Fahrrad und liebt jede Art von sportlicher Betätigung wie schwimmen oder auch Krafttraining.

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