Die Sportwettenbranche in der Gesellschaft

 

Der Siegeszug des Internets, der etwa Mitte der 90er-Jahre begonnen hat, brachte in den vergangenen rund 25 Jahren Gewinner und Verlierer hervor. Einen regelrechten Boom bedeutete die Möglichkeit, plötzlich auch von zu Hause aus und später mit dem mobilen Internet überall Wetten platzieren zu können, für den internationalen Sportwetten-Markt. Genossen Sportwetten im Allgemeinen und Buchmacher im Besonderen vor der Jahrtausendwende noch meist einen eher zweifelhaften Ruf, so sind Wetten längst salonfähig geworden – und zu einem riesigen Geschäft geworden.

Kaum besser erkennen lässt sich das an der Fülle der rund um Fußballübertragungen im Fernsehen werbenden Buchmacher, die seit Jahren neue Umsatzrekorde erzielen. Wirklich belastbare Zahlen gibt es weltweit gesehen schon alleine aufgrund des gerade in Asien vielfach nicht geregelten Marktes nicht. Doch schon im Jahr 2013 lag der geschätzte weltweite Jahresumsatz mit Sportwetten in einem Bereich zwischen 700 Milliarden und einer Billion US-Dollar.

Auf Deutschland entfielen 2013 laut dem “Statista Research Department“ 3,77 Milliarden Euro. 2019 wurde laut dem Deutschen Sportwettenverband (DSWV) mit 9,3 Milliarden Euro schon ein mehr als doppelt so hoher Wert verzeichnet, was die Dynamik auf dem deutschen Sportwetten-Markt, der Parallelen zum globalen Wettgeschehen aufweisen dürfte, bestens widerspiegelt.

 

 

 

Auch Online-Casinos, Online-Poker und eSports boomen

 

Sportwetten sind indes nur ein Teil der gigantischen Online-Glücksspielmarktes, der immer höhere Umsätze generiert und dessen Wachstum wohl auch absehbare Zeit auch kaum enden wird. Alleine in Online-Casinos setzen deutsche Kunden schätzungsweise mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr um, mit klar steigender Tendenz. Bei Online-Poker ist die Entwicklung ähnlich, wobei die Umsätze in diesem Bereich noch niedriger ausfallen. Das gilt auch für Wetten auf eSports, denen aber mutmaßlich zumindest ein Teil der Zukunft gehört und deren Bedeutung nicht zuletzt während der Corona-Krise, als das weltweite Sportgeschehen zum Erliegen gekommen ist, nochmals rasant gestiegen ist.

 

 

 

Buchmacher zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

 

 

Noch immer werden hohe Umsätze aber auch in den lokalen Wettbüros, deren Atmosphäre, die nicht selten zwischen grenzenloser Euphorie auf der einen und bitterer Enttäuschung auf der anderen Seite schwankt, erzielt. Ebenso in staatlichen Casinos und natürlich auch auf illegalen Märkten, die nach wie vor ein Problem darstellen, mit dem die Regierung zu kämpfen hat.

 

 

Auch heute ist es weiterhin möglich, in einem Wettbüro Bargeld gegen einen Wettschein zu tauschen, in der Hoffnung, einige Zeit später eine satte Auszahlung zu erhalten. Der Großteil aller Sportwetten wird aber längst nicht mehr im persönlichen oder wie Ende der 90er-Jahre auch noch häufig im telefonischen Kontakt abgewickelt, sondern online. Das immer schnellere und verlässlicher auch unterwegs verfügbare Internet und die damit verbundenen Wettmöglichkeiten stellen für lokale Wettbüros sicherlich eine Gefahr dar, doch ein Ende der Filialen, die gerade in großen Städten weiter hochfrequentiert sind, ist nicht abzusehen.

 

Berühmte Wett-Profis

 

Die horrenden Umsätze, die die Branche Jahr für Jahr erzielt, haben dafür gesorgt, dass Sportwetten in der Gesellschaft längst anerkannt sind. Und auch wenn am Ende in den meisten Fällen der Buchmacher gewinnt, haben es einige Menschen geschafft, von Sportwetten zu leben und damit sogar eine Firma zu gründen. Bekanntheit erlangt hat so der Brite Matthew Benham, der mit seinem Unternehmen ausgeklügelte mathematische Strategien entwickelt hat, um die Wahrscheinlichkeit siegreicher Wetten drastisch zu erhöhen. Benhams erzielte mit seinem Unternehmen große Erfolge und konnte es sich auch deshalb leisten, mit dem Brentford FC und dem FC Midtjylland Profiklubs zu erwerben. Bei beiden nutzte Benham ein zunächst für sein Sportwetten-Business entwickeltes Modell unter anderem für die Verpflichtung von neuen Spielern. Vor allem in Midtjylland, das prompt auf Anhieb dänischer Meister wurde, stellte sich direkt durchschlagender Erfolg ein.

 

 

Viel gelernt hat Benham von Tony Bloom, für dessen Unternehmen Premier Bet der spätere Smartodds-Gründer zuvor bis zu einem Zerwürfnis arbeitete. Bloom, der mit StarLizard eine weitere und noch größere Firma führt, gilt bis heute als reichster Wett-Profi aller Zeiten und zugleich als Vorbild vieler Wettfreunde, die ebenfalls den Traum hegen, mit Sportwetten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Allein dieser vielfach vorhandene Wunsch zeigt, dass Sportwetten ihr in den 90er-Jahren noch etwas schmuddeliges Images längst abgestreift haben.