VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg - Rivalen der Bundesliga

VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg – Rivalen der Bundesliga. Lesen Sie alle wissenwerte Fakten und Meilensteine in unserem Bericht!

VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg

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Das Automobilduell – VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg

Allzu viele Gemeinsamkeiten weisen der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg nicht auf. Allerdings ist das Duell der beiden Klubs, die durch über 500 Autobahnkilometer getrennt werden, in den vergangenen rund 25 Jahren zum festen Bestandteil der Bundesliga geworden. Stuttgart musste sich zwar zwei Mal vorübergehend für jeweils ein Jahr in die Zweitklassigkeit verabschieden, doch ansonsten standen sich der VfB und die Wölfe seit deren erstmaligen Bundesliga-Aufstieg 1997 in jeder Saison gegenüber.

Die Kräfteverhältnis zwischen beiden Vereinen, die mit Daimler (Stuttgart) und Volkswagen (Wolfsburg) – wenn auch mit unterschiedlichem Einfluß und Volumen des Engagements – jeweils einen großen Autobauer im Rücken haben, waren dabei keineswegs immer die gleichen. Stuttgart 2007 und Wolfsburg 2009 waren ungeachtet dessen die beiden letzten Meister bevor Borussia Dortmund und vor allem der FC Bayern München den deutschen Fußball vollends zu dominieren begannen.

Wir blicken nachfolgend auf die bisherige Geschichte der Partie Stuttgart gegen Wolfsburg, nennen im Zuge dessen einige interessante Zahlen, gehen auf besondere Begegnungen ein und wagen abschließend auch einen kleinen Ausblick.

 

VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg – Die Kräfteverhältnisse verändern sich

Als der VfL Wolfsburg 1997 erstmals den Bundesliga-Aufstieg schaffte, lag die vierte deutsche Meisterschaft des VfB Stuttgart gerade einmal fünf Jahre zurück. Die Schwaben mischten mit dem Magischen Dreieck bestehend aus Fredi Bobic, Giovane Elber und Krassimir Balakov regelmäßig an der Spitze mit und schienen Welten von den Wölfen entfernt. Die Niedersachsen allerdings benötigten keine allzu lange Anlaufzeit und schafften schon im zweiten Bundesligajahr den Sprung nach Europa, was die Ansprüche deutlich wachsen ließ.

Parallel dazu erkannte Volkswagen die Chance, die ein ortsansässiger Verein als Werbeträger bietet, und schraubte seine Zuwendungen nach oben, was allerdings erst ab 2007 mit der Verpflichtung von Felix Magath als starkem Mann, Früchte in Form der Meisterschaft 2009 tragen sollte. Magath war zuvor in Stuttgart mitverantwortlich für den Aufbau einer jungen Mannschaft bestehend aus vielen Eigengewächsen, die nach seinem Abgang zum FC Bayern München 2007 überraschend unter Armin Veh Meister wurden.

Weder in Stuttgart noch in Wolfsburg war der Titel allerdings nachhaltig. Während es für den VfB in der Folge auch bedingt durch zahlreiche Fehlentscheidungen im Management und in der Kaderplanung schrittweise nach unten und letztlich zwei Mal in die 2. Liga ging, konnte Wolfsburg ähnlich gravierende Fehler nicht zuletzt mit enormem finanziellen Einsatz noch korrigieren. Abgesehen vom DFB-Pokalsieg 2015 standen beim VfL Aufwand und Ertrag allerdings nur selten in einem guten Verhältnis.

Nichtsdestotrotz verfügt Wolfsburg dank der finanziellen Unterstützung durch Volkswagen über eine Wirtschaftskraft wie nur wenige Bundesligisten, während man in Stuttgart auf eine kluge Transferpolitik und gute Nachwuchsarbeit angewiesen ist, um einigermaßen mithalten zu können.

Stuttgart – Wolfsburg in der Saison 2021/22

Dass der VfB Stuttgart am letzten Spieltag der Saison 2021/22 noch auf den rettenden 15. Platz springen und die Relegation vermeiden konnte, hatten die Schwaben auch der guten Bilanz des Duells mit dem VfL Wolfsburg zu verdanken. Vier von sechs möglichen Punkten heimste der VfB gegen die Wölfe ein, die am Ende mit neun Zählern mehr auf einem gemessen an den Erwartungen enttäuschenden zwölften Rang ins Ziel kamen.

Inmitten einer tiefen Wolfsburger Krise siegte Stuttgart am 11. Dezember 2021 in der Volkswagen-Arena mit 2:0. Konstantinos Mavropanos in der 25. und Philipp Förster in der 63. Minute trafen für die Gäste, die sich überdies den Luxus leisteten, just in Person von Wolfsburg-Leihgabe Omar Marmoush in der 79. Minute einen Elfmeter zu vergeben.

Im Rückspiel am 30. April, dem 32. Spieltag brachte John Anthony Brooks Wolfsburg in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena schon in der 13. Minute in Führung. Die Gastgeber waren anschließend allerdings die klar überlegene Mannschaft, nutzten indes ihre Chancen zunächst nicht. Erst in der 89. Minute war es Chris Führich, der mit dem Treffer zum 1:1-Endstand zumindest noch einen – in der Endabrechnung extrem wichtigen – Zähler sicherte.

Wolfsburg vs Stuttgart: Die Schauplätze

Von 1947 bis 2002 war das VfL-Stadion am Elsterweg die Heimat des VfL Wolfsburg, der aufgrund eines eher überschaubaren Zuschauerandrangs lange Zeit keinen Gedanken an eine neue Heimat verschwenden musste. Das allerdings änderte sich mit dem Bundesliga-Aufstieg 1997, dem zunächst eine Erweiterung der zuvor 17.600 Zuschauer fassenden Stadions auf eine Kapazität von 21.600 Plätzen folgte. Parallel dazu wurden die Rufe nach einem neuen, modernen Stadion aber immer lauter, die denn auch recht schnell erhört wurden.

Schon 2001 erfolgte der erste Spatenstich der neuen Volkswagen-Arena, die letztlich am 13. Dezember 2002 mit einer 1:2-Heimniederlage just gegen den VfB Stuttgart eröffnet wurde und seitdem bei nationalen Spielen 30.000 und bei internationalen Partien 26.000 Zuschauern Platz bietet. Während die Duelle beider Vereine in Wolfsburg in zwei verschiedenen Stadien stattfanden, war in Stuttgart stets die heute Mercedes-Benz-Arena der Austragungsort, die bereits 1933 er- und seitdem mehrfach umgebaut wurde. Unter anderem wurde dabei die Laufbahn entfernt und so eine größere Nähe zwischen Spielfeld und Tribünen geschaffen.

Die 1949 bis 1993 als Neckarstadion und von 1993 bis 2008 als Gottlieb-Daimler-Stadion bekannte Arena fasst seit Abschluss der letzten Renovierungs- und Umbaumaßnahmen im Sommer 2011 60.449 bzw. bei internationalen Spielen 54.812 Zuschauer.

VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg – Statistik

Der Fakt, dass der VfB Stuttgart der weitaus traditionsreichere und auch größere Verein ist, lässt sich auch mit nackten Zahlen untermauern. Ebenso allerdings, dass der VfL Wolfsburg aktuell besser aufgestellt ist. Wir haben nachfolgend einige wichtige Daten zu beiden Klubs gesammelt und gegenübergestellt.

Alle Angaben basieren auf dem Stichtag 24. Juni 2022 und werden immer wieder aktualisiert.

 

VfB Stuttgart

VfL Wolfsburg

Gründungsjahr 1893 1945
Mitglieder 72500 21500
Stadionkapazität 60449 30000
In der Bundesliga seit: 2020 1997
Titel 5x Deutscher Meister

3x DFB-Pokal-Sieger

1x Deutscher Meister

1x DFB-Pokal-Sieger

Marktwert aktueller Kader* 165,30 Mio. € 222,70 Mio. €
Anzahl Nationalspieler 6 16
Anzahl Länderspiele 92 190
Ewige BL-Tabelle 5. Platz 15. Platz

 

*basierend auf den Zahlen von transfermarkt.de

Zahlen und Fakten zum Duell VfB gg. VfL

52 Mal trafen beide Vereine bisher aufeinander. Diese Begegnungen verteilen sich auf 46 Vergleiche in der Bundesliga und sechs Duelle im DFB-Pokal. Im Pokal kam es in der ersten Runde 1972/73 auch zum allerersten Aufeinandertreffen, das in Wolfsburg mit 2:2 endete. Das damals noch übliche Wiederholungsspiel gewann Stuttgart dann gegen die seinerzeit unterklassigen Wölfe auch nur mit Mühe mit 3:2. Die folgenden vier Partien im Pokal gingen allesamt an den VfB, ausnahmslos in Wolfsburg.

In der Bundesliga, in der es nach dem Wolfsburger Aufstieg 1997 zur Premiere kam, ist die Bilanz mit 19 Stuttgarter Siegen, sieben Unentschieden und 20 Erfolgen des VfL Wolfsburg beinahe ausgeglichen. Zu Hause feierte Stuttgart in der Bundesliga 13 Siege und zog bei vier Remis nur sechs Mal den Kürzeren. Dafür aber gewannen die Schwaben in Wolfsburg nur sechs Mal, bei drei Unentschieden und 14 Niederlagen.

Insgesamt ergibt sich damit eine Bilanz von 24 Siegen für den VfB Stuttgart und 20 Erfolgen des VfL Wolfsburg, bei acht Unentschieden. In Sachen Tordifferenz hat der VfB mit 77:75 hauchdünn die Nase vorn.

VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg – Seitenwechsel: Namhafte Profis für beide Klubs im Einsatz

Die Zeiten, in denen ein Profi seinem Verein die gesamte Karriere über treu bleibt, sind schon lange vorbei. Dementsprechend gibt es auch eine Reihe von Spielern, die während ihrer Laufbahn sowohl für den VfL Wolfsburg als auch für den VfB Stuttgart im Einsatz waren. Darunter finden sich einige höchst prominente Namen. Allen voran natürlich die ehemaligen Nationalspieler Mario Gomez und Christian Träsch, aber auch ausländische Angreifer wie Jonathan Akpoborie, Sergiu Radu oder Danijel Ljuboja, die zumindest vorübergehend zu den gefährlichsten Bundesliga-Stürmern zählten.

Ein besonderes Kunststück ist Christian Gentner gelungen, der als Stuttgarter Eigengewächs der Meistermannschaft des VfB 2007 angehörte und dann zwei Jahre später schon als gestandener Profi mit dem VfL Wolfsburg ebenfalls den Titel holte. Jens Keller, Pablo Thiam, Diego Benaglio, Daniel Didavi, Josip Brekalo, Daniel Ginczek und zuletzt der für die Saison 2021/22 von den Wölfen nach Stuttgart verliehene Omar Marmoush sind weitere Spieler mit einer Vergangenheit bei beiden Vereinen, die vielen deutschen Fußballfans noch ein Begriff sein dürften.

VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg – Die denkwürdigsten Begegnungen

Ein Finale oder ein entscheidendes Duell um die Meisterschaft gab es zwischen beiden Vereinen bislang zwar noch nicht, aber dennoch sind einige besondere Spiele unter den bisherigen Vergleichen auszumachen. Wir haben nachfolgend sechs Partien herausgegriffen, die allesamt auf ihre Weise außergewöhnlich waren.

27. September 1997, Bundesliga, 8. Spieltag: VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart 1:0

Der VfL Wolfsburg fand durchaus gut in seine erste Bundesliga-Saison und empfing den VfB Stuttgart nach sieben Runden mit immerhin acht Punkten auf dem Konto. Dank eines späten Tores von Piotr Tyszkiewicz in der 77. Minute gelang den Niedersachsen der dritte Saisonsieg, mit dem zugleich in der Tabelle zum VfB aufgeschlossen wurde.

8. April 2000, Bundesliga, 28. Spieltag: VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg 2:5

Die torreichste Begegnung des direkten Duells war zugleich ein bemerkenswerter Auswärtssieg des VfL Wolfsburg, der ausgerechnet im vor der Saison aus Stuttgart gekommenen Dreifachtorschützen Jonathan Akpoborie den Mann des Tages in seinen Reihen hatte. Andrzej Juskowiak und der aus dem Nachwuchs der Stuttgarter Kickers hervorgegangene Zoltan Sebescen machten den Wolfsburger Torreigen komplett, während Pavel Kukas Führungstreffer zum 1:0 für den VfB am Ende ebenso wertlos war wie Zvonimir Soldos Ausgleich zum 2:2.

13. Dezember 2002, Bundesliga, 17. Spieltag: VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart 1:2

Elf Tage vor Weihnachten kamen immerhin 24.147 Zuschauer, um bei der offiziellen Eröffnung der neuen Volkswagen-Arena dabei zu sein. Die Freude über das neue Stadion freilich wich recht schnell der Enttäuschung über einen sportlichen schwachen Auftritt der Wölfe, die gegen den VfB Stuttgart mit 1:2 verloren. Mit Thomas Schneider in der 35. und Fernando Meira in der 55. Minute sorgten zwei Defensivspieler für eine 2:0-Führung der Gäste, die Wolfsburgs Tomislav Maric in der 76. Minute per Elfmeter nur noch verkürzen konnte.

3. April 2004, Bundesliga, 27. Spieltag: VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart 1:5

Der höchste Sieg in der Geschichte des Duells mit dem VfL Wolfsburg gelang dem VfB Stuttgart auswärts. Die “Jungen Wilden“ von Trainer Felix Magath gingen durch Tore von Heiko Gerber und Marco Streller schnell mit 2:0 in Führung und noch vor der Pause konterte Philipp Lahm den Wolfsburger Anschluss durch Martin Petrov mit dem 1:3. Im zweiten Durchgang machten dann Kevin Kuranyi und Imre Szabics mit ihren Treffen den schwäbischen Kantersieg perfekt.

18. April 2007, Halbfinale im DFB-Pokal: VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart 0:1

Gut einen Monat vor dem Gewinn der Meisterschaft, wahrte der VfB Stuttgart seine Chancen auf das (letztlich wegen einer 2:3-Finalpleite nach Verlängerung gegen den 1. FC Nürnberg) nicht geschaffte Double. Vor 28.000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Volkswagen-Arena erzielte Antonio da Silva schon in der 16. Minute per Freistoß das Tor des Tages, das die Schwaben ins Finale nach Berlin brachte.

1. November 2014, Bundesliga, 10. Spieltag: VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg 0:4

Wie schon im Heimspiel der Saison 2007/08 siegte der VfL Wolfsburg auch im Herbst 2014 mit 4:0 gegen den VfB Stuttgart, diesmal aber in der Mercedes-Benz-Arena. Für den höchsten Wolfsburger Sieg der Geschichte des Direktduells zeichneten Ivan Perisic mit einem Doppelpack sowie Kevin de Bruyne und Robin Knoche verantwortlich.

Fazit und Prognose für das Duell Stuttgart – Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg hat es definitiv geschafft, sich in der Bundesliga zu etablieren. Die Hoffnung, mit sportlichem Erfolg, der in Form von Meisterschaft und Pokalsieg durchaus vorhanden war, mehr Zulauf zu erhalten, hat sich indes nur bedingt erfüllt. Der VfB Stuttgart auf der anderen Seite verfügt auch nach sehr wechselhaften und von vielen Enttäuschungen geprägten Jahren noch immer über eine riesige Fanbasis, die zusammen mit dem Umfeld und der vorhandenen Infrastruktur in der Schwabenmetropole eine Menge Wucht entwickeln könnte.

Gelingt das in Zukunft wieder besser, ist mit dem VfB zumindest einigermaßen regelmäßig im Rennen um die internationalen Plätze möglich. Wird nicht gut gearbeitet, kann es aber auch wieder in die Zweitklassigkeit gehen. In Wolfsburg bieten die enormen finanziellen Möglichkeiten derweil einen gewissen Schutz vor dem Absturz, sind – wie die jüngere Vergangenheit schonungslos gezeigt hat – aber auch bei weitem keine Erfolgsgarantie. Wird die wirtschaftliche Power aber wieder mit Know-How und Teamwork verknüpft, sollten die Wölfe dazu in der Lage sein, um die Champions-League-Ränge mitzumischen.

 

Johannes Ketterl

Experte für Fußball

Geboren 1983 in der Oberpfalz und dort von kurzen Ausnahmen bis heute wohnhaft. Dennoch und trotz deutlich mehr Tiefen als Höhen von klein auf Fan des 1. FC Köln. Studium an der Universität Regensburg und an der FH Schmalkalden, seit 2010 als freiberuflicher Autor mit Schwerpunkt Fußball tätig. Als lizenzierter Fußball-Trainer im Nachwuchsbereich aktiv und mit einem gewissen Faible für die italienische Serie A. Ewige Helden: Maurice Banach und Dennis Bergkamp.