Legalisierung von Online-Glücksspiel in Deutschland – Neuregelung ab 2021

Deutschland ist der größte Glücksspielmarkt Europas. Knapp 14 Milliarden Euro werden jährlich durch Poker, Kasinos, Wetten & Co. umgesetzt. Das Problem aus Staatssicht: Rund ein Fünftel der Einnahmen wurden illegal erzielt. Seit Jahren schon verhandelten die Bundesländer deshalb über eine Regelung, die dieser Problematik einen Riegel vorschiebt. Im Januar 2020 folgte nun die Einigung: Glücksspiel soll bundesweit legalisiert werden – allerdings mit strikten Beschränkungen.

Welchen Hintergrund hat die Regelung?

Nach aktuellem Stand ist Online-Glücksspiel in Deutschland verboten (Ausnahme: Schleswig-Holstein).

Dennoch gibt es hierzulande ein breit gefächertes Angebot an Wettmöglichkeiten. Die Anbieter sitzen zumeist in einem anderen EU-Land, in dem Glücksspiel nicht verboten ist. Das Agieren dieser Unternehmen in Deutschland ist formell illegal, wurde faktisch jedoch geduldet, sodass in den vergangenen Jahren ein boomender Schwarzmarkt entstand.

Die Milliardengewinne der Branche flossen bislang am deutschen Staat vorbei – schließlich kann er auf illegale Einnahmen keine Steuern erheben. Durch die zentralisierte Neuregelung des Glücksspielsmarkts soll der Fiskus künftig mitverdienen können – indem er offiziell zulässt, was ohnehin längst Usus ist: Glücksspiel im Internet.

 

Ab wann soll die Regelung gelten?

Am 5. März soll die Glücksspielreform auf der Länderkonferenz offiziell verabschiedet werden, ab 2021 soll die Regelung, deren Entwurf rund 70 Seiten umfasst, gelten.

 

Welche Änderungen beinhaltet die Regelung?

Die Anpassungen der rechtlichen Situation von Sportwetten würden den Glücksspielmarkt im Internet grundlegend umwälzend – nicht zuletzt im Sportwettenbereich. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

 

Fixes Einzahlungslimit

Nach dem neuen Entwurf sollen monatliche Einzahlungen auf maximal 1.000 Euro beschränkt werden – über alle Angebote hinweg.

Eigentlich ist diese Regelung nicht neu, sie war bereits im Glücksspielstaatsvertrag von 2012 enthalten – doch nach dem Veto des Europäischen Gerichtshofes wurde sie faktisch nie umgesetzt.

Das Einzahlungslimit soll Spieler vor zu hohen Ausgaben schützen und die finanziellen Konsequenzen von Spielsucht eindämmen. Auf der anderen Seite wären hohe Umsätze, wie sie Glücksspielprofis erzielen, kaum noch realisierbar.

 

Einschränkung von Live-Wetten und Sonderoptionen:

Im Bereich der Live-Wetten soll es künftig nicht mehr möglich sein, Über/Unter-Wetten zu platzieren. Schlimmstenfalls könnte es sogar sein, dass nach Spielbeginn nur noch auf das Endergebnis und den nächsten Scorer gewettet werden kann.

Ebenfalls angedacht ist ein Verbot von spezielleren Optionen wie „Wann fällt das X. Tor?“

 

Keine Parallelnutzung von Wettkonten

Künftig soll es nicht mehr möglich sein, zwei Wettkonten parallel zu nutzen. Wer bei mehreren Anbietern Tipps platzieren will, muss sich einzeln ein- und wieder ausloggen.

Aufhebung des Trennungsgebots

Bisher war es Glücksspielanbietern verboten, Sportwetten und Automatenspiele oder Lotterien auf derselben Plattform zu betreiben. Dieses Trennungsgebot soll unter der neuen Regelung gekappt werden. Der Sportwettenmarkt dürfte sich dadurch ausweiten.

In Bezug auf Spielbank soll es indes eine Sonderklausel geben: Spiele wie Roulette oder Blackjack sollen nur an staatlich konzessionierte Unternehmen vergeben werden, etwa Spielbanken.

 

Bundesweite Sperrdatei

Im Zuge der neuen Regelung soll eine Sperrdatei eingerichtet werden, durch die glücksspielgefährdete Personen vom Zocken abgehalten werden sollen. Das Bundesland Hessen wurde damit beauftragt, das System aufzusetzen. Es trägt den Namen OASIS (Onlineabfrage Spielerstatus)

Automatisiertes Früherkennungssystem

Anbietern, die weiterhin auf dem deutschen Glücksspielmarkt agieren wollen, müssen künftig ein „automatisiertes System“ vorweisen können, das zur Früherkennung einer Glücksspielsucht geeignet ist.

Schlägt das System aus, müssen die Anbieter die Zentralbehörde informieren, um suchtgefährdete Spieler schnellstmöglich vom Markt abzuschneiden.

Sollten die Anbieter diese und weitere Auflagen nicht erfüllen, drohen Strafen von bis zu 500.000 Euro.

Mehr als 20 private Wettanbieter

Im Glücksspielstaatsvertrag von 2011 hatten sich die Länder darauf geeinigt, nicht mehr als 20 Konzessionen für private Wettanbieter zu vergeben. Umgesetzt wurde die Regelung jedoch nie – und mit dem neuen Entwurf scheint sie endgültig vom Tisch. Es könnten also deutlich mehr Unternehmen eine Konzession erhalten.

 

Einrichtung einer Zentralbehörde

Der Bund plant den Aufbau einer zentralen Glücksspielbehörde, die die Einhaltung des neuen Glücksspielstaatsvertrags überwachen und garantieren soll. In der Behörde laufen alle relevanten Daten und Informationen zusammen – und münden zwangsläufig in einem gläsernen Spieler.

Was bedeutet das für Online-Sportwetten?

Der neue Entwurf zur Regulierung des Glücksspielmarkts könnte gerade im Sportwettenbereich tiefgreifende Folgen haben.

Das Einzahlungslimit von 1.000 Euro etwa schränkt ambitioniertere Wetter und Profis deutlich ein: Hohe und sehr hohe Umsätze sind unter diesen Bedingungen kaum noch möglich.

Ebenfalls gravierend sind die Einschnitte bei Live Wetten: Der Anteil dieser Spielart im Online-Wettbereich wird auf rund 60 Prozent geschätzt – doch durch die Verbote der verschiedene Optionen verliert er deutlich an Attraktivität. Sollte es tatsächlich nicht mehr möglich sein, Über-/Unter- und andere Live-Wetten zu platzieren, dürften sich viele Spieler ärgern.

Ebenfalls problematisch ist das Verbot, mehrere Wettkonten parallel zu nutzen. Die Regelung erschwert den Workflow erheblich und macht den Betrieb vor allem für ambitioniertere Wetter, die bei mehreren Anbietern aktiv sind, deutlich umständlicher.

Andererseits ist zu beachten, dass die Regulierungen hohe Verluste vorbeugen und vor Spielsucht schützen können – so zumindest die Theorie. Zudem kann durch die Aufhebung des Trennungsgebots auf neue kapitalstarke und zuverlässige Anbieter gehofft werden.

Alles in allem birgt der neue Entwurf wohl vor allem für Wettprofis und solche, die es werden wollen, Gefahren. Die Umsätze dürften in deren Bereich kaum aufrechtzuerhalten sein, zudem wird intensives Wetten aufwendiger. Wer lediglich ein, zwei Wochenendtipps abgeben will, dürfte vom neuen Gesetz weniger beeinflusst werden.

 

Wie reagiert der Wettmarkt auf den Entwurf?

Mathias Dahms, der Präsident der Deutschen Sportwetten Vereinigung (DSWV), bezeichnete die Regelung in einem offiziellen Statement als „ersten Schritt in Richtung einer modernen, marktgerechten Glücksspielregulierung.

Was die geplanten Änderungen betrifft, äußerte Dahms allerdings auch Kritik. Die Einschränkungen im Live-Wetten-Bereich betrachtet der DSWV-Präsident als ernste Gefahr, da das Angebot unter Spielern sehr beliebt ist. „Enttäuscht Kunden werden sich Schwarzmarktangeboten zuwenden“, befürchtet er.

Auch das Einzahlungslimit von 1.000 Euro hält Dahms nicht für zielführend. Das Gebot schütze nicht die Spieler, sondern beschränke das Wachstum der Branche.

Insgesamt reagierte der Wettmarkt eher verhalten. Viele Stakeholder scheinen die Einigung der Bundesländer grundsätzlich zu begrüßen – schließlich endet damit ein fast zehnjähriges Tauziehen – doch die Umsetzung der Regelung bereitet einige Kopfschmerzen. Gerade die Einzahlungsgrenze und die Restriktionen bei Live-Wetten dürften für merkliche Umsatzeinbußen sorgen, was vor allem den Markteintritt für neue Anbieter erschwert. Erst kürzlich zog sich mit MrGreen ein junges Wettunternehmen aus dem deutschen Markt zurück. 2021 könnten weitere folgen.

 

 

Quellenangaben: