Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland: Spieltermine und TV-Übertragung

Während bei den Männern die U21-Europameisterschaft schon das größte Highlight darstellt, gehört die Bühne im Fußball-Sommer 2023 zumindest vom 20. Juli bis 20. August 2023 der neunten Auflage der Frauen-Weltmeisterschaft, die in Australien und Neuseeland ausgetragen wird.

Frauen-WM 2023 WO?

In zehn Stadien, sechs in Australien und vier in Neuseeland, kämpfen zum ersten Mal 32 anstatt der bei den vorherigen WM-Endrunden üblichen 24 Nationen um den Titel und damit die Nachfolge der USA, die auch diesmal zum engsten Kreis der Favoriten gehört.

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Teilnehmer und Favoriten

Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes brachte insbesondere für kleinere Fußballnationen oder Länder, in denen der Frauenfußball noch nicht ganz so weit entwickelt ist, automatisch größere Chance auf ein Endrundenticket mit sich. Und tatsächlich sind mit Irland, Portugal, Haiti, Panama, Sambia, Marokko, den Philippinen und Vietnam gleich acht Nationen zum ersten Mal bei einer WM-Endrunde vertreten.

Allzu viel erwartet wird von und in diesen Nationen gleichwohl nicht. Denn die Riege der Favoriten wird zumindest aus Sicht der Buchmacher von den üblichen Verdächtigen gebildet. Titelverteidiger USA sehen nicht wenige Experten auch diesmal wieder vorne – mit Europameister England, Vize-Europameister Deutschland, WM-Finalist Frankreich, Spanien und Gastgeber Australien als den potentiell größten Konkurrenten. In Kürze haben wir Frauen WM 2023 Quoten für deine Wette!

Neuer Modus mit 32 Teams

Nachdem der Modus der letzten Weltmeisterschaften eine vergleichsweise komplizierte Berechnung der vier besten Gruppendritten erforderte, die mit jeweils sechs Gruppensiegern und -zweiten ins Achtelfinale eingezogen sind, entfallen derlei Rechenspiele durch die Erweiterung des Teilnehmerfeldes.

Gespielt wird analog zu den Männer-Weltmeisterschaften von 1998 bis 2022 nun in acht Vorrundengruppen von A bis H mit jeweils vier Mannschaften und die beiden Ersten kommen weiter. Die 16 verbleibenden Nationen spielen ab dem K.o.-System weiter. Bei Unentschieden nach 90 Minuten folgt eine Entscheidung in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen.

WM 2023 – Termine und Anstoßzeiten

Die Entscheidung, die WM 2023 nach Australien und Neuseeland zu vergeben, hat der FIFA-Rat im Sommer 2020 letztlich in der finalen Runde mit 22:13 Stimmen gegen der noch im Rennen verbliebenen Bewerbung Kolumbiens getroffen – sicherlich im Wissen darum, dass der Zeitunterschied zu zentralen Fan- und TV-Märkten enorm ist.

Australien etwa ist Deutschland im Juli und August sechs bis neun Stunden voraus, Neuseeland sogar elf Stunden. Damit ergeben sich für deutsche, aber auch alle anderen europäischen und weitgehend in der gleichen Zeitzone liegenden afrikanischen Fans Probleme. Nicht minder für Anhänger aus Nord-, Süd- und Mittelamerika mit Unterschieden rund um 15 Stunden.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen erfolgt der Anstoß in Australien und Neuseeland zwischen 17 und 20.30 Uhr Ortszeit und damit am europäischen Vormittag. Noch einigermaßen gut erwischt haben es deutsche Fans in der Gruppenphase mit werktäglichen Anstoßzeiten um 10.30 Uhr, 11.30 Uhr und 12 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ), während beispielsweise Italien und Argentinien um 8 Uhr MESZ gegeneinander antreten oder der Anstoß zur Partie USA gegen Niederlande um 3 Uhr MESZ erfolgt.

Das Endspiel am 20. August immerhin wurde, wie bei großen Turnieren üblich, auf einen Sonntag gelegt und auf eine mit 12 Uhr für die meisten Fans machbare Anstoßzeit.

WM 2023 im TV – Wo kann ich die Frauen WM 2023 sehen?

Ob, wo und in welcher Form die WM 2023 live im deutschen Fernsehen oder bei Streaming-Portalen zu sehen sein wird, ist im Moment noch offen. Denn bislang hat die FIFA zu den erhofften Konditionen keinen Käufer für den deutschen Markt gefunden. Auch in anderen Nationen ist die Übertragung des Turniers noch nicht geklärt, was in den vergangenen Wochen einige Grundsatzdiskussionen hervorgerufen hat.

Doch warum hat sich bisher kein Käufer für die TV-Rechte gefunden? Ein wesentlicher Grund dafür sind natürlich die suboptimalen Anstoßzeiten. Kauft ein Sender die kompletten Rechte, die soweit bekannt auch nur als Paket zu haben sind, erfordert dies auch Übertragungen mitten in der Nacht von Spielen wie Kolumbien gegen Südkorea, die mutmaßlich keine nennenswerten Einschaltquoten erzielen werden. Und die Spiele mit deutscher Beteiligung, die für ein breites Publikum attraktiv wären, können am Vormittag nicht gut vermarktet werden und würden auch kaum die Reichweite erzielen wie Turnierspiele der DFB-Auswahl der Frauen etwa bei der Europameisterschaft 2022 in England.

Die potentiell interessierten TV-Sender, allen voran die Öffentlich-Rechtlichen, waren und sind mit ihren Geboten somit sehr zurückhaltend. Dass überhaupt geboten werden muss, stellt eine weitere Neuerung dar, denn in der Vergangenheit wurden die Frauen-Turniere von der FIFA zusammen mit den Männer-Weltmeisterschaften verkauft. Die WM 2023 wurde nun rechtetechnisch erstmals getrennt von der Männer-WM ausgeschrieben – mit aus Sicht der FIFA offenkundig unzureichender Resonanz.

Weil die FIFA die Rechte an den WM-Bildern nicht unter Wert verkaufen will und eine kostenlose Übertragung über eigene Plattformen kategorisch ausschließt, droht Fans des Frauenfußballs in Deutschland aktuell ein schwarzer Bildschirm. Weil der dem FIFA-Rat angehörende DFB-Präsident Bernd Neuendorf zuletzt sehr deutlich gemacht hat, dass es einen Blackout zwingend zu vermeiden gilt, darf man aber noch zuversichtlich sein, dass sich rechtzeitig eine Lösung findet. Allzu kurzfristig sollte diese aber nicht fallen, benötigen doch auch die übertragenden Sender eine gewisse Vorlaufzeit, um sich adäquat aufzustellen.

TV-Übertragung: Herren-WM vs. Frauen-WM

Für die Übertragungsrechte in Deutschland soll die FIFA zehn Millionen Euro fordern, von den Öffentlich-Rechtlichen aber nur ein Gebot in etwa halber Höhe eingereicht worden sein. Immerhin noch mehr als in Italien, wo bislang kein Sender mehr als eine Million Euro geboten haben soll. Im Vergleich dazu: für die Männer-WM 2022, für die Italien gar nicht qualifiziert war, flossen aus dem Land des amtierenden Europameisters rund 160 Millionen Euro, aus Deutschland sogar 214 Millionen Euro alleine von ARD und ZDF, wobei zusätzlich auch die Telekom mit MagentaTV alle Spiele, einige davon exklusiv, übertragen hat.

Diese Unterschiede sind mit Blick darauf, dass das Finale der Frauen-EM 2022 zwischen Deutschland und England mit 17,952 Millionen Zuschauern die TV-Übertragung mit den meisten Zuschauern im gesamten Jahr war, bemerkenswert. Überboten wurde diese Partie nicht einmal von den Spielen der Männer-WM in Katar, was freilich mehrere Gründe hatte. Zum einen, dass das Turnier im Wüstenstaat generell sehr umstritten war. Und zum anderen, dass sich Deutschland nach der Vorrunde verabschieden musste.

Bei der Bewertung der TV-Rechte dürften die Sendeanstalten auch einfließen lassen, dass zwar die Spiele der deutschen Elf und analog dazu in anderen Ländern die Partien der jeweils eigenen Mannschaft ziehen, andere Begegnungen aber nur wenige Fans vor die Bildschirme locken.

Frauen-WM 2023: Häufige Fragen – Wir antworten

Die Frauen-Weltmeisterschaft, die im Jahr 2023 zum neunten Mal ausgetragen wird, findet vom 20. Juli bis 20. August 2023 in Australien und Neuseeland statt.

An der Frauen-WM 2023 nehmen zum ersten Mal 32 Nationen teil. Aus acht Vorrundengruppen mit vier Mannschaften ziehen jeweils der Tabellenerste und -zweite ins Achtelfinale ein. Ab dann wird im K.o.-System weitergespielt.

Die meisten Spiele beginnen zwischen 17 und 20.30 Uhr Ortszeit. Damit verbunden sind aufgrund der Zeitverschiebung zu Australien und Neuseeland zwischen sechs und elf Stunden in Europa ungewohnte Anstoßzeiten. Viele WM-Spiele beginnen am Vormittag europäischer Zeit, einige Begegnungen werden aber auch zu nächtlicher Stunde angepfiffen.

Johannes Ketterl

Experte für Fußball

Geboren 1983 in der Oberpfalz und dort von kurzen Ausnahmen bis heute wohnhaft. Dennoch und trotz deutlich mehr Tiefen als Höhen von klein auf Fan des 1. FC Köln. Studium an der Universität Regensburg und an der FH Schmalkalden, seit 2010 als freiberuflicher Autor mit Schwerpunkt Fußball tätig. Als lizenzierter Fußball-Trainer im Nachwuchsbereich aktiv und mit einem gewissen Faible für die italienische Serie A. Ewige Helden: Maurice Banach und Dennis Bergkamp.

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