Deutsche Fußball Liga (DFL) vermeldet Rekordumsatz – auch dank Sportwetten-Branche

Rekordumsatz! Zum 14. Mal in Folge (!) konnte die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihren Gesamterlös auf einen neuen Bestwert hochschrauben. Wie der Verband Mitte Februar bekannt gab, durchbrachen die Bundesliga und 2. Bundesliga erstmals die Schallmauer von vier Milliarden Euro. An der Traumbilanz ist auch die Wettindustrie beteiligt – denn die ist so eng mit dem deutschen Profifußball verwoben wie nie zuvor. Doch dem könnten bald Grenzen gesetzt werden.

Deutsche Fußball Liga (DFL)

DFL Wirtschaftsreport – die Zahlen stimmen

Am 13. Februar durfte die DFL mal wieder die frohe Botschaft verkünden: Umsatzrekord, neue Milliardenerlöse – der jüngste Wirtschaftsreport liest sich einmal mehr grandios. Vor allem eine Zahl sticht heraus: 4,42 Milliarden Euro. So hoch war der kumulierte Umsatz der deutschen Profiligen in der Saison 2017/18.

Die DFL konnte damit zum 14. Mal in Serie ihre Erlöse steigern – und durchbrach zudem erstmals in ihrer Geschichte die Vier-Milliarden-Schallmauer. In den vergangenen zehn Jahren verzeichnete der deutsche Profifußball ein jährliches Wachstum von durchschnittlich knapp 9 Prozent. Ein brillanter Wachstumstrend, der in erster Linie auf die kontinuierlich steigenden Medienerlöse zurückzuführen ist. Zur Einordnung: Allein für die nationalen Übertragungsrechte kassiert die DFL in der aktuellen Periode 1,16 Milliarden Euro pro Saison!

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zeigte sich über die positive wirtschaftliche Entwicklung erfreut, machte allerdings auch deutlich, dass die Umsätze der DFL nicht unbegrenzt weiter steigen könnten. Vieles dürfte dabei von den beiden Zugpferden Bayern München und Borussia Dortmund abhängen. Auch die jüngsten Ereignisse in der deutschen Fußballliga rund um Mäzen Dietmar Hopp zeigen, dass jeder Trend schnell enden kann.

Der Großteil der TV-Gelder – und ebenso der Gesamterlöse – läuft bei den Erstligisten zusammen. 3,81 Milliarden Euro setzten diese in der Spielzeit 2017/18 um – das ist fast doppelt so viel wie noch vor sieben Jahren (1,94). Kein Wunder, dass sich auch die einzelnen Klubs mit tollen Zahlen schmücken können: 17 von 18 Vereinen erzielten Umsätze von über 100 Millionen Euro.

Das Eigenkapital der Erstligavereine stieg dadurch auf einen Höchstwert von 1,6 Milliarden Euro, nicht zuletzt dank weiterhin starker Direkterlöse: Mit über 18 Millionen verkauften Tickets und einem Schnitt von 43.879 Zuschauern pro Spiel war die Bundesliga auch in 2017/18 die zuschauerstärkste Fußballliga der Welt.

Und die Zweitligisten? Auch die „Reserve“ konnte mit 608 Millionen Euro ein starkes Umsatzergebnis erzielen, zudem ist das Gesamtergebnis mit rund 27 Millionen Euro positiv – anders als in der vorherigen Saison.

Auch der Staat profitiert – im dreifachen Sinne

An den Rekordzahlen der Deutschen Fußball Liga dürfte im Übrigen auch der Fiskus seine Freude haben: Mit 1,28 Milliarden Euro führten die 36 Profi-Klubs so viele Steuern und Sozialabgaben wie nie zuvor in der Verbandsgeschichte.

Hinzu kommt, so schreibt auch die DFL selbst, ihre zunehmende Relevanz als Arbeitgeber: Über 55.000 Menschen waren in der Saison 2017/18 bei Profivereinen oder deren Tochtergesellschaften beschäftigt – auch das ist, natürlich, ein gesamtgesellschaftlich erfreulicher Rekordwert.

Für Staat und Sozietät gibt es sogar noch einen dritten Grund, sich zu freuen. Denn parallel zu den Umsätzen der Liga ist auch der Sportwettenmarkt gewachsen – und damit die Höhe der fälligen Glücksspielsteuern.

Wettindustrie setzt ein Vielfaches um – aber wie lange noch?

Über 40 Milliarden Euro wurden im Jahr 2017 auf Fußballspiele in Deutschland gewettet. Wohlgemerkt: Diese Summe bezieht sich alleine auf lizensierte Buchmacher.

Über die Hälfte des Umsatzes entfällt auf die Bundesliga (23 Milliarden), weitere 6,8 Milliarden auf die 2. Liga. Im Vergleich zum DFL-Umsatz wird mit Wetten auf Profi-Spiele also mehr als das siebenfache Kapital erwirtschaftet. Vor allem aufgrund dieser Diskrepanz warnen Skeptiker seit Jahren vor einen womöglich steigenden Manipulationsgefahr.

DFL Stadion

Für die Klubs ist die Attraktivität der Bundesliga für den Wettmarkt indes ein Segen: Fast jeder Profiverein hat einen Sponsor aus der Wettbranche, mit Tipico ist einer der Marktführer sogar Premiumpartner der DFL selbst. Wie der Deutsche Sportwettenverband angibt, investiert die Wettindustrie rund 50 Millionen Euro jährlich für Sportsponsoring in den deutschen Profiligen.

Die Frage ist hierbei allerdings, wie lange es bei dieser (wirtschaftlich) rosigen Lage bleibt. Denn wer die Branchenentwicklung verfolgt hat, weiß: Ab 2021 soll die noch immer unklare Glücksspielgesetzeslage in Deutschland bereinigt werden, mit einem vollumfänglichen Staatsvertrag. Dieser sieht nach jetzigem Stand deutliche Einschränkungen im Sportwettenbereich vor: So sollen unter anderem Live-Wetten weitestgehend verboten werden, die Einzahlungslimits pro Spieler auf 1.000 Euro fixiert werden und die Parallelnutzung von Wettkonten verboten werden.

Sollte der Vertrag tatsächlich nach dieser Fasson in Kraft treten, so könnte der deutsche Wettmarkt erheblichen Schaden nehmen – und das bekäme auch die DFL zu spüren. Etwa in Form von niedrigeren Sponsoringerlösen oder geringerem Interesse, denn die Möglichkeit zu wetten macht Live-Sport für viele Menschen interessanter.

 

Zukunft nicht absehbar – sowohl für DFL als auch für Wettindustrie

Unterm Strich bleibt die starke Bilanz der DFL eine schöne Momentaufnahme. Zur sicheren Zukunftsprognose taugt sie indes nicht – obgleich die Führungsriege eben selbiges behauptet. Denn auch wenn der Trend seit nunmehr 15 Jahren beständig nach oben zeigt, steht der deutsche Fußball vor ungewissen Zeiten: Die Vergabe der Medienrechte, seit jeher das finanzielle Zugpferd, wird zunehmend komplex – und anders als etwa die Premier League oder La Liga hat sich die Bundesliga noch immer nicht für Großinvestoren geöffnet.

Schon jetzt zeigt sich, dass selbst der deutsche Branchenprimus aus München abgehängt ist, wenn es um die Gehälter und Ablösesummen für die absoluten Topstars geht. Wenn dreistellige Millionentransfers bald zum Tagesgeschäft gehören, dürfte sich diese Problematik verschärfen – und wenn die Bundesliga ihre Aushängeschilder nicht mehr halten kann, wird die Attraktivität sinken. Und mit ihr die Umsätze.

Ähnlich verhält es sich in der Wettbranche: Aktuell ist die Lage gut, doch angesichts der ungewissen Rechtslage ab 2021 könnten die fetten Jahre auf deutschem Boden bald vorbei sein. Sicher mag dies aktuell nur ein Szenario von vielen sein – doch es verdient Beachtung, trotz toller Bilanzen.

Die wichtigsten Zahlen zum DFL Wirtschaftsreport im Überblick:

  • DFL erwirtschaftete in der Saison 2017/18 4,42 Milliarden Euro Umsatz
  • Davon 3,81 Milliarden aus Bundesliga
  • 17 von 18 Erstligaklubs setzten über 100 Millionen Euro um
  • Das Eigenkapital der Bundesliga-Klubs bewegt sich auf einem Rekordhoch von 1,6 Milliarden Euro
  • Die Erlöse aus nationalen TV-Verträgen liegen seit der Saison 2017/18 bei 1,16 Milliarden Euro pro Saison
  • Die 18 Erstliga-Klubs verkauften 18,7 Millionen Tickets
  • Daraus resultiert ein Schnitt von 43.879 Zuschauern pro Spiel
  • Die 36 Profiklubs zahlten dem deutschen Fiskus eine Rekordsumme von 1,28 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben

 

Quellenangaben: