Hertha BSC – 1. FC Union Berlin – Rivalen der Bundesliga

Hertha BSC – 1. FC Union Berlin – Rivalen der Bundesliga. Lesen Sie alle wissenwerte Fakten und Meilensteine in unserem Bericht!

Hertha BSC - 1. FC Union Berlin

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Berlin gegen Berlin

Obwohl in der gleichen Stadt gelegen, trennen das Olympiastadion und das Stadion an der Alten Försterei knapp 30 Kilometer. Trotz dieser Entfernung, die bei anderen Stadtderbys deutlich geringer ausfällt, ist in den vergangenen Jahren die Rivalität zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin deutlich gewachsen. Natürlich nicht zuletzt deshalb, weil die lange Zeit nur zwei- oder gar drittklassigen Eisernen aus dem Ostberliner Stadtteil Köpenick seit ihrem erstmaligen Bundesliga-Aufstieg im Sommer 2019 inzwischen sportlich mit der im Westen der Hauptstadt, konkret im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, beheimateten Hertha auf Augenhöhe oder sogar darüber agieren.

Eine lange Zeit nicht vorhandene Brisanz zwischen beiden Klubs, deren Anhänger zu DDR-Zeiten und auch anfänglich nach der Wende einander sogar noch freundschaftlich verbunden waren, ist damit heute definitiv vorhanden. Vom eigenen Selbstverständnis her ist Hertha BSC zwar noch immer die Nummer eins in der Hauptstadt, doch die Ergebnisse in jüngerer Vergangenheit lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Hertha der Alten Dame zumindest für den Moment den Rang abgelaufen hat.

Das allerdings muss keineswegs auf Dauer so bleiben, haben doch beide Vereine jeweils eine bewegte Geschichte hinter sich. Darauf gehen wir nachfolgend freilich nur am Rande ein, sondern konzentrieren uns stattdessen mehr auf die bisherigen, direkten Berührungspunkte von Hertha BSC und Union.

Historie: Erstes Derby erst im Jahr 2010

Bereits am 25. Juli 1892 wurde der Berliner Fußball Club Hertha 1892 als einer der ersten, reinen Fußballvereine in Deutschland ins Leben gerufen. Ein Zusammenschluss mit dem Berliner Sport-Club mündete 1923 in die Umbenennung in Hertha BSC und bei diesem Namen sollte es auch bleiben, als nur sieben Jahr später schon wieder die Trennung vom Club erfolgte.

In diese Phase fiel mit den beiden einzigen Meistertiteln 1930 und 1931 sowie zuvor vier Vize-Meisterschaften ab 1926 die bislang erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Seit 1939 existiert Hertha BSC in seiner heutigen Form und war 1963 auch eines der 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga, freilich längst nicht immer auch im Oberhaus des deutschen Fußballs vertreten.

Der 1. FC Union Berlin in seiner heutigen Form besteht seit 1966, geht indes auf den SC Union Oberschöneweide zurück, der unter anderem 1923 Deutscher Vize-Meister wurde und dessen Geschichte letztlich 1972 endete. Zu DDR-Zeiten pendelte Union mehrfach zwischen der erstklassigen Oberliga und der zweitklassigen DDR-Liga und wurde nach der Wiedervereinigung lediglich in der damals drittklassigen Oberliga eingegliedert und sollten dort – auch wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten, die einen Aufstieg verhinderten – erst einmal bleiben.

Die Eisernen sorgten dann zwar Anfang der neuen Jahrtausends mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale sowie drei Zweitliga-Jahren für Aufsehen, verschwanden dann aber bis 2009 wieder in der Dritt- und vorübergehend gar Viertklassigkeit, ehe mit dem erneuten Zweitliga-Aufstieg 2009 eine sensationelle Entwicklung Einzug hielt, die 2021 bis auf die internationale Bühne führte.

Nachdem beide Vereine abgesehen von der räumlichen Nähe zunächst auch nach der Wende lange keine Berührungspunkte hatten, kam es erst in der Zweitliga-Saison 2010/11 zum ersten Derby und zum Beginn einer gemeinsamen Geschichte, wobei sich die Wege in der Folge noch mehrfach trennen sollten und erst 2019/20 das erste Bundesliga-Stadtduell stieg.

Hertha vs. Union in der Saison 2021/22

Zu gleich drei Derbys kam es in der Saison 2021/22 und alle drei endeten mit einem Sieg für den 1. FC Union Berlin, der Hertha BSC in diesem Spieljahr somit klar zur Nummer zwei in der Stadt degradierte.

Eher unspektakulär verlief das Bundesliga-Hinspiel am 20. November 2021, das der 1. FC Union an der heimischen Alten Försterei durch Treffer von Taiwo Awoniyi in der achten und Christopher Trimmel in der 30. Minute mit 2:0 für sich entscheiden konnte.

Das erste Wiedersehen fand dann am 19. Januar 2022 im Rahmen des Achtelfinales im DFB-Pokal und im Olympiastadion statt, wo corona-bedingt allerdings nur 3.000 Zuschauer zugelassen waren. Diese sahen einen nur auf den ersten Blick knappen 3:2-Auswärtssieg des 1. FC Union, der erst weit in der Nachspielzeit den zweiten und schon unbedeutenden Gegentreffer durch Suat Serdar kassierte. Zuvor hatten Andreas Voglsammer (11.) und Niklas Stark per Eigentor (50.) für eine 2:0-Führung der Gäste gesorgt, die Hertha aber ebenfalls per Eigentor durch Rani Khedira (54.) nochmals hoffen ließen. Allerdings nur eine Minute lang, denn mit dem 1:3 durch Robin Knoche in der 55. Minute war die Vorentscheidung schon gefallen.

Einen ähnlichen Spielverlauf nahm das dritte und letzte Derby der Saison, allerdings mit klarem Ausgang. Am 9. April 2022 brachte Genki Haraguchi teils turmhohe Union vor der Pause im diesmal mit 74.667 Zuschauern rappelvollen und entsprechend stimmungsvollen Olympiastadion mit 1:0 in Führung. Unions Timo Baumgartl, wieder einmal per Eigentor (49.), glich für Hertha zwar unmittelbar nach Wiederbeginn aus, doch beinahe postwendend besorgte Grischa Prömel (53.), die abermalige Führung für die Gäste aus Köpenick, die durch Sheraldo Becker (74.) und Sven Michel (85.) am Ende für klare Verhältnisse sorgten und einen 4:1-Auswärtssieg feierten.

Hertha gegen Union: Die Schauplätze

Das Berliner Stadtderby fand bislang ausschließlich in zwei Stadien statt. Bei Heimrecht von Hertha BSC im Olympiastadion und wenn der 1. FC Union Berlin der Gastgeber war, dann im Stadion an der Alten Försterei.

Die enge Verbundenheit des 1. FC Union zu seiner Heimspielstätte zeigte sich dabei vor allem in den gemeinsamen Zweitliga-Jahren 2010/11 und 2012/13, als die Alte Försterei noch weniger Platz und Einnahmemöglichkeiten bot als heute. Doch trotz der deutlich besseren Vermarktungsmöglichkeiten, die Umzug ins Olympiastadion mit sich gebracht hätte, wollte Union nicht auf ein echtes Heimrecht verzichten und spielte so etwa 2012/13 zu Hause vor nur 16.750 Zuschauern, während im Rückspiel im Olympiastadion 74.244 Fans vor Ort waren.

Hertha BSC – 1. FC Union Berlin – Statistik

Lange stand es außer Frage, wer die Nummer eins in der Hauptstadt ist, war Hertha BSC doch bis zum erstmaligen Aufstieg des 1. FC Union Berlin im Sommer 2019 doch zumindest im neuen Jahrtausend der einzige erstklassige Verein aus Berlin. Union indes hat nicht lange gebraucht, um den gefühlt noch immer großen Nachbarn sportlich in den Schatten zu stellen und der Hertha die eine oder andere empfindliche Niederlage beizubringen.

Einige Zahlen und Fakten lassen dabei durchaus schnell erkennen, dass sich beide Vereine deutlich angenähert haben, wenngleich das dickere Geschichtsbuch – zumindest im westdeutschen Fußball – noch immer die Hertha besitzt. Alle Zahlen basieren dabei auf dem Stichtag 15. April 2022 und werden fortwährend aktualisiert.

Hertha BSC

1. FC Union Berlin

Gründungsjahr 1892 1966 (Vorläuferklub:1908)
Mitglieder 4051 41088
Stadionkapazität 74649 22012
In der Bundesliga seit: 2013 2019
Titel 2x Deutscher Meister 1x FDGB-Pokalsieger
Marktwert aktueller Kader* 96,33 Mio. € 73,00 Mio. €
Anzahl Nationalspieler 6 8
Anzahl Länderspiele 226 134
Ewige BL-Tabelle 12. Platz 40. Platz

*basierend auf den Zahlen von transfermarkt.de

Hertha BSC – 1. FC Union Berlin – Zahlen und Fakten

  • Erst elf Pflichtspiele gab es bisher zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin, von denen sechs in der Bundesliga, vier in der 2. Liga und eines im DFB-Pokal stattfanden.
  • Mit fünf Siegen weist Union die bessere Bilanz auf, während für die Hertha bei drei Unentschieden nur drei Erfolge notiert sind. Das Torverhältnis spricht mit 18:17 knapp für Union. Bei eigenem Heimrecht feierte Union zwei Siege bei zwei Remis und einer Niederlage – bei 6:4-Toren. Hertha BSC weist hingegen mit zwei Siegen, einem Unentschieden und drei Niederlagen eine negative Heimbilanz auf, im eigenen Stadion aber immerhin eine leicht positive Tordifferenz (13:12) auf.
  • War die Statistik in den beiden gemeinsamen Zweitliga-Jahren 2010/11 und 2012/13 mit je einem Sieg und zwei Unentschieden noch ausgeglichen, hat in der Bundesliga Union mit drei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen knapp die Nase vorne.

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Hertha BSC – 1. FC Union Berlin – Die denkwürdigsten Begegnungen

Fans beider Mannschaften, die schon etwas länger dabei sein, durften können sich an jedes einzelne der elf Duelle zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union erinnern. Nicht immer war es dabei das Geschehen auf dem Spielfeld, das in Erinnerung geblieben ist. Einige Male richtete sich der Fokus auch auf die Ränge oder Ereignisse nach dem Abpfiff. Wir haben nachfolgend die aus unserer Sicht bemerkenswertesten Derbys mit ihren Haupt- und Nebenerscheinungen zusammengestellt.

17. September 2010, 2. Bundesliga, 4. Spieltag: 1. FC Union Berlin – Hertha BSC 1:1

Zwischen dem 1. FC Union Berlin im zweiten Jahr nach dem Aufstieg in die 2. Liga und Bundesliga-Absteiger Hertha BSC waren im allerersten Pflichtspiel beider Klubs die Rollen klar verteilt. Und mit der Führung der Hertha durch Peter Niemeyer schon in der zweiten Minute schien alles den erwarteten Gang zu nehmen. Doch vor 18.432 Zuschauern an der Alten Försterei schlug Union in Person von Santi Kolk in der 82. Minute mit dem Ausgleichstreffer zum Endstand zurück.

5. Februar 2011, 2. Bundesliga 2. Spieltag: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin 1:2

Im zweiten Derby überhaupt gab es erstmals einen Sieger – allerdings nicht die als Tabellenführer in die Partie gegangene Hertha, sondern den noch im Kampf gegen den Abstieg feststeckenden 1. FC Union, der vor 74.244 Zuschauern im Olympiastadion bereits nach 13. Minuten in Rückstand geriet. John Mosquera glich aber noch vor der Pause aus und in der 71. Minute war es dann Torsten Mattuschka, der angefeuert von zahlreichen Union-Fans mit einem verwandelten Freistoß zum Siegtreffer seinen Legendenstatus beim Anhang der Eisernen zementierte.

2. November 2019, Bundesliga, 10. Spieltag: 1. FC Union Berlin – Hertha BSC 1:0

Am Ende des ersten Bundesliga-Derbys stand nicht Sebastian Polter im Mittelpunkt, der Union mit einem in der 87. Minute verwandelten Elfmeter drei Punkte bescherte, sondern mit Rafal Gikiewicz der Schlussmann der Eisernen, der sich kurz vor Spielende zahlreichen Union-Fans in den Weg stellte, die im Begriff waren, das Spielfeld zu stürmen und den gegenüberliegenden Hertha-Block zu attackieren. Gikiewicz verhinderte somit nicht nur über 90 Minuten einen Gegentreffer, sondern auch einen mutmaßlichen Spielabbruch, der für Union schwerwiegende Folgen hätte haben können.

22. Mai 2020, Bundesliga, 27. Spieltag: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin 4:0

Im zweiten Spiel nach neun Wochen Corona-Zwangspause gelang Hertha BSC der bislang deutlichste Derby-Sieg, nach dem es allerdings im leeren Olympiastadion lange nicht in dieser Form ausgehen hatte. Denn erst in der 51. Minute brach Vedad Ibisevic den Bann und brachte die Alte Dame in Führung, die indes nur eine Minute später durch Dodi Lukebakio das 2:0 nachlegte. Matheus Cunha und Dedryck Boyata sorgten mit weiteren Treffern dann noch für einen klaren Erfolg.

19. Januar 2022, DFB-Pokal, Achtelfinale: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin 2:3

Im ersten und bislang einzigen Pokal-Derby platzte für Hertha BSC einmal mehr der Traum vom Finale im eigenen Stadion. Nachdem ein Eigentor von Rani Khedira den Rückstand nach der Union-Führung von Andreas Voglsammer und einem Hertha-Eigentor durch Niklas Stark verkürzte, war mit dem 1:3 durch Robin Knoche (55.) die Entscheidung gefallen und der nochmalige Anschluss durch Suat Serdar bereits in der Nachspielzeit nicht mehr dazu in der Lage, für Spannung zu sorgen.

9. April 2022, Bundesliga, 29. Spieltag: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin 1:4

Das bis dato letzte Duell war das mutmaßlich einseitigste. Nur in einer kurzen Phase nach der Pause, als ein Eigentor von Unions Timo Baumgartl die Gästeführung durch Genki Haraguchi ausglich, schien für die zum dritten Mal von Felix Magath trainierte Hertha Zählbares möglich. Weil Grischa Prömel, Sheraldo Becker und Sven Michel aber am Ende für einen deutlichen Sieg der Eisernen sorgten, wurden die Hertha-Profis von den erstmals nach Corona wieder in voller Zahl ins Stadion gekommenen Fans vor die Ostkurve zitiert und teilweise dazu genötigt, ihre Trikots auszuziehen.

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Fazit und Prognose für das Duell Hertha BSC vs. Union Berlin

Die Frage nach der Nummer eins in der Hauptstadt lässt sich nach den letzten Jahren nicht mehr eindeutig beantworten. Vielmehr ist es so, dass der 1. FC Union Berlin der eigentlich lange in anderen Sphären agierenden Hertha momentan sportlich den Rang abgelaufen hat, was freilich auch an einer Verkettung von zahlreichen unglücklichen und schlichtweg auch falschen Entscheidungen lag, die bei der Alten Dame getroffen wurden.

Rein vom Potential her ist Hertha BSC sicherlich noch immer über Union anzusiedeln, das vor der aufgrund der im Bundesliga-Vergleich weiterhin relativ kleinen Möglichkeiten nicht einfachen Aufgabe steht, die Erfolge der letzten Jahre auf lange Sicht konservieren und bestätigen zu müssen. Zwar glauben wir nicht, dass Union mit der in den letzten Jahren geschaffenen Basis, die weit über die Mannschaft hinausreicht, wieder in der Versenkung verschwinden wird, doch der Weg zu einem wirklich etablierten Bundesligisten, der zu Beginn einer Saison ein anderes Primärziel als 40 Punkte ausgeben kann, ist noch immer weit.

Das gilt auf der anderen Seite im Moment auch für Hertha BSC, wobei eher vorstellbar ist, dass der aktuell noch schlafende Reise eines Tages über einen längeren Zeitraum hinweg eine Rolle im vorderen Bereich der Bundesliga und auch wieder im internationalen Fußball spielen wird. Allerdings nur dann, wenn es den Hertha-Verantwortlichen gelingt, über Jahre mit weitaus größeren Möglichkeiten ähnlich gute Arbeit abzuliefern wie Union in jüngerer Vergangenheit.

 

Johannes Ketterl

Experte für Fußball

Geboren 1983 in der Oberpfalz und dort von kurzen Ausnahmen bis heute wohnhaft. Dennoch und trotz deutlich mehr Tiefen als Höhen von klein auf Fan des 1. FC Köln. Studium an der Universität Regensburg und an der FH Schmalkalden, seit 2010 als freiberuflicher Autor mit Schwerpunkt Fußball tätig. Als lizenzierter Fußball-Trainer im Nachwuchsbereich aktiv und mit einem gewissen Faible für die italienische Serie A. Ewige Helden: Maurice Banach und Dennis Bergkamp.

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