Sie haben Post: Anfang Mai ging ein Schreiben des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) an seine Vereine heraus, in der nicht nur die Kooperation mit zulässigen Wettanbietern seitens des DFBs, sondern auch die ‚Unanständigkeit‘ der Vereine thematisiert wurde, wenn diese für private Wettanbieter werben mit dem Hinweis auf Konsequenzen bei einem Verstoß gegen diese Aufforderung.

Der Brief, der Ende April, Anfang Mai vom saarländischen Fußballverein an seine Mitgliedsvereine herausschickte, war einen Monat zu spät dran, um als Aprilscherz ausgelegt zu werden, doch der Unglaube blieb auch bei wiederholtem Lesen. In dem vorliegenden Schreiben bezog der SFV ausdrücklich Bezug auf den privaten Buchmacher und Wettanbieter Tipico, der der offiziellen Stellungnahme vom Deutschen Fußballbund nach nicht für Werbung herangezogen werden dürfe und rechtlich sogar unzulässig sein.

Wer für private Wettanbieter wirbt, benimmt sich ‚unanständig‘

Der Landessportverband des Saarlandes kümmert sich um diverse Förderungen der Vereine, wozu ebenfalls die Verteilung der finanziellen Mittel oder die Durchführung von Sportveranstaltungen aus den Einnahmen der Saarland-Sporttoto GmbH gehört, das sogenannte Sportachtel. In seiner Mitteilung an die Vereine des Saarlandes wird explizit im 2. Absatz des Briefes die Bedeutung des Saartotos hervorgehoben, von dem sämtliche Vereine profitieren und somit eine Werbung für private Wettanbieter nur als „unanständig“ angesehen werden kann. Wer sich nicht daran hält, muss mit Konsequenzen für sein Handeln rechnen – welche, wurden nicht erwähnt.

Mitteilung entzieht sich rechtlicher Grundlage

Soweit zum Inhalt des Briefes, der an die Vereine herausging und sicher nicht mit Begeisterung  aufgenommen wurde, vielenorts sicher auch mit Besorgnis, die sich allerdings als unbegründet herausstellen dürfte. Dass man nur mit zulässigen Wettanbietern kooperieren darf, ist sicher richtig, doch hier als Aufhänger genutzt, um die Eigeninteressen im Sinne des Saartotos durchzusetzen, das eng verflochten mit dem Saarländischen Fußballverband ist, in anderen Worten staatliche Wettanbieter sind erlaubt, private Wettanbieter ein Problem. Rein rechtlich fehlt hier jedoch die Grundlage, da Lizenzen ja aufgrund der Legalisierung vergeben wurden und Mitteilungen wie die oben beschriebene schon fast als unlautere Einflussnahme auf die Märkte angesehen werden könnten.

Nicht das erste Kuscheln

Die Landeslotterien bedienen sich hier nicht das erste Mal dieser komplett inakzeptablen Methoden der Küngelns. Wer sich im Netz umschaut, wird feststellen, dass dies nicht die erste Stellungnahme der Verbände zu diesem Thema ist, jedoch nur kleinere Vereine betrifft, da die großen Vereine ganz anders aufgestellt sind, alleine von der rechtlichen Absicherung her. Der vermeintlich moralische Aspekt, der hier vor allem durch anständiges Verhalten betont wird, dient insofern als Unterhaltung, ist aber nicht wirklich ernst zu nehmen, sondern ein Eigentor für die Verbände.

Im Hintergrund verfilzt

Anders als Filz lassen sich solche Aktionen nicht mehr bezeichnen. Keine rechtliche Grundlage, sondern pure Einschüchterung, die man hier anwendet, in der Hoffnung, dass die kleinen im vorauseilendem Gehorsam nicht mehr für private Anbieter werben. Einen moralischen Tiefpunkt erreicht das Ganze aber tatsächlich mit der sinngemäßen Aussage, dass man doch anständig bleiben solle und den Geldgeber nicht ärgern dürfe, dabei wird ja offensichtlich, dass private Anbieter potenzielle Sponsoren sind.

Wiederholt merkt man wie bequeme und gut bezahlte Posten ihr Traumleben in Gefahr sehen und sich sogar illegaler oder  zumindest fragwürdiger Methoden bedienen. Das war bereits bei Politikern zu beobachten, die ihre Dankbarkeitsposten in Gefahr sahen und scheinbar wollen auch Verbandsfunktionäre ihre Bequemlichkeit nicht aufgeben.