FC St. Pauli – Hamburger SV – Ewige Rivalen der Bundesliga

Die ewigen Rivalen in der 2. Bundesliga. Wir widmen unsere ganze Aufmerksamkeit dem Fischkopp-Duell: FC St. Pauli – Hamburger SV!

FC St. Pauli vs. Hamburger SV

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Das Hamburg Derby – Pauli gegen HSV

Rund sieben Kilometer Luftlinie trennen das Volksparkstadion im nordwestlichen Stadtteil Bahrenfeld, in dem der Hamburger SV seine Heimspiele austrägt, und das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli im Zentrum des Hansestadt voneinander. Gefühlt sind beide Hamburger Vereine aber deutlich weiter voneinander entfernt und obwohl sportlich die Vorzeichen in jüngerer Vergangenheit durchaus auch einmal anders herum waren, ist der HSV noch immer der große Verein in Hamburg, während St. Pauli vielfach als der kleine, aber besondere Stadtteilklub bezeichnet wird.

Alleine daraus ergibt sich eine spezielle Brisanz, die in den letzten Jahren auch dadurch befeuert wurde, dass sich beide sportlich zumindest teilweise auf Augenhöhe bewegt und die eigentlich traditionelle Rollenverteilung mitunter auf den Kopf gestellt worden ist. Die vermehrten Derbys der letzten Jahre, wenn auch nur auf zweitklassiger Ebene, haben dem Stellenwert des Hamburger Derbys in jedem Fall nicht geschadet, sondern den Fokus darauf gerichtet, dass nicht nur im Westen der Republik heiße Nachbarschaftsduelle stattfinden, sondern auch im hohen Norden – über die Begegnungen zwischen dem HSV und Werder Bremen hinaus.

 

 

St. Pauli – HSV in der Saison 2021/22

Bereits im Rahmen des dritten Spieltages der 2. Bundesliga 2021/22 kam es am 13. August 2021 zum ersten Hamburger Stadtderby. Vor den coronabedingt maximal erlaubten 10.003 Zuschauer am Millerntor glich HSV-Spielmacher Sonny Kittel kurz vor der Pause die Führung der Gastgeber durch Finn Ole Becker aus. Mit einem Doppelschlag in der 56. und 58. Minute avancierte dann aber Simon Makienok zum Matchwinner für St. Pauli. Robert Glatzel brachte den HSV in der 77. Minute zwar noch auf 2:3 heran, doch unter dem Strich stand für die Rothosen das fünfte Derby in Folge ohne Sieg bei vier Niederlagen und nur einem Unentschieden.

Diese Durststrecke aber konnte der HSV im Rückspiel am 21. Januar 2022 beenden. In einer mit lediglich 2.000 zugelassenen Zuschauern fast leeren Volksparkstadion brachte Guido Burgstaller St. Pauli zwar nach einer halben Stunde in Führung, doch Sebastian Schonlau in der 58. und Bakery Jatta in der 70. Minute drehten die Partie im zweiten Durchgang noch in einem 2:1-Heimsieg des HSV, der zu diesem Zeitpunkt im Aufstiegsrennen ein Big-Point war.

HSV vs St. Pauli: Die Schauplätze

In den vergangenen Jahren war klar, dass das Hamburger Stadtderbys entweder bei Heimrecht des HSV im Volksparkstadion oder aber bei Heimrecht des FC St. Pauli im Millerntor-Stadion stattfindet. Das allerdings war bei weitem nicht immer so, was lange Zeit auch daran lag, dass das Millerntor nicht wie heute 29.546 Zuschauern Platz bot, sondern mit einer weitaus geringeren Kapazität die deutlich schlechteren Einnahmemöglichkeiten bot wie das Volksparkstadion. Für die ersten sieben Bundesliga-Heimspiele gegen den HSV wich St. Pauli deshalb in die Heimat des großen Rivalen aus. Erst in der Spielzeit 2010/11 fand das erste Bundesliga-Derby am Millerntor statt – stolze 38 Jahre nach dem zuvor letzten Aufeinandertreffen beider Vereine am Millerntor.

Das Millerntor war dennoch schon 34 Mal Schauplatz des Hamburger Derbys, was in erster Linie an den vielen Duellen beider Klubs vor Einführung der Bundesliga liegt. Noch häufiger wurde nur am Sportplatz am Rothenbaum gespielt, wo der HSV vor dem Bau des Volksparkstadions seine Heimspiele austrug. Weil an der historischen Spielstätte der Zahn der Zeit unverkennbar nagte, erfolgte bereits 1997 der Abriss. Heute finden sich Wohn- und Bürogebäude auf dem früheren Stadiongelände, wo gerade zu Zeiten der Oberliga Nord (1947 – 1963) Derbygeschichte geschrieben wurde.

Begegnet sind sich der HSV und St. Pauli überdies noch vier Mal auf neutralem Platz, jeweils aber in der Hansestadt: drei Mal auf dem Victoria-Platz in Eppendorf und ein Mal im Altonaer Stadion in Bahrenfeld.

FC St. Pauli vs Hamburger SV – Statistik

Sportlich waren der Hamburger SV und der FC St. Pauli in jüngerer Vergangenheit einigermaßen auf Augenhöhe, zumindest aber in der gleichen Liga unterwegs. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt aber dann doch eine Reihe von Fakten, die den HSV als letztlich weitaus größeren Klub kennzeichnen – wobei die Aktualität betreffende Zahlen auch zeigen, dass sich beide Vereine einander deutlich angenähert haben. Alle Zahlen basieren dabei auf dem Stichtag 6. April 2022 und werden immer wieder aktualisiert.

 

FC St. Pauli

Hamburger SV

Gründungsjahr 1924 (Vorläuferklub: 1910) 1919 (Vorläuferklub: 1887)
Mitglieder 30400 84200
Stadionkapazität 29546 57000
In der Bundesliga seit:
Titel 1x Hamburger Meister 6x Deutscher Meister

3x DFB-Pokal-Sieger

1x Europapokal der Landesmeister

1x Europapokalsieger der Pokalsieger

16x Hamburger Meister

Marktwert aktueller Kader* 25,60 Mio. € 37,45 Mio. €
Anzahl Nationalspieler 4 1
Anzahl Länderspiele 63 13
Ewige BL-Tabelle 33. Platz 4. Platz

*basierend auf den Zahlen von transfermarkt.de

 

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FC St. Pauli vs Hamburger SV – Zahlen und Fakten

61 Mal trafen beide Vereine seit Einführung der Oberliga Nord 1947 bisher in Pflichtspielen aufeinander. Mit 33 Siegen konnte der Hamburger SV über die Hälfte dieser Vergleiche für sich entscheiden. Für den FC St. Pauli stehen hingegen bei elf Unentschieden nur 17 Erfolge auf der Habenseite. Das Torverhältnis spricht mit 142:68 denn auch wenig überraschend klar für den HSV. Unter dem Strich ergibt sich damit ein durchschnittliches Ergebnis von 2,33:1,11, also in etwa ein 2:1 für den HSV.

Bei eigenem Heimrecht verbuchte der HSV 18 Siege bei sieben Remis und nur sieben Niederlagen. Dazu passend lautet die Tordifferenz bei Heimspielen des HSV 79:32. Bei Heimrecht des FC St. Pauli, das freilich durch einige ins Volksparkstadion verlegte Derbys teilweise aus der Hand gegeben wurde, spricht die Statistik mit 15 Siegen, vier Remis und zehn Niederlagen auch für den HSV, wenn auch nicht ganz so deutlich. Auch das Torverhältnis, das mit 63:36 aber dennoch klar pro HSV ausfällt, ist etwas enger.

34 der bisherigen Derbys fanden zwischen 1947 und 1963 in der Oberliga Nord statt. 16 Begegnungen gab es in der Bundesliga und mittlerweile auch acht Duelle in der 2. Bundesliga. Im DFB-Pokal wurde bislang nur ein Hamburger Stadtduell ausgelost, zwei Duelle gab es 1972/73 im Ligapokal. Zu den näher aufgeschlüsselten 61 Begegnungen kommen noch 46 Duelle bis zum Jahr 1947 in verschiedenen Wettbewerben von der Alsterkreis-Liga über die Hamburger Oberliga bis zur Endrunde um die Britische Zonenmeisterschaft. Dabei stehen 35 Siegen des HSV bei fünf Unentschieden lediglich sechs Siege des FC St. Pauli gegenüber.

FC St. Pauli vs Hamburger SV – Die denkwürdigsten Begegnungen

Unter den insgesamt 107 Duellen zwischen dem HSV und St. Pauli waren einige Begegnungen, die sich fest ins Gedächtnis der Fans beider Mannschaften eingebrannt haben und teilweise auch Bestandteil der deutschen Fußball-Geschichte sind. Wir gehen im Folgenden näher auf sieben Spiele, die allesamt eine besondere Bedeutung hatten oder einen besonderen Verlauf nahmen, ein.

7. Dezember 1919, Hamburger Meisterschaft: Hamburger SV – St. Pauli TV 9:0

Das allererste Aufeinandertreffen der beiden Stadtrivalen war eine sehr einseitige Angelegenheit und das von Anfang an. Denn St. Pauli begann die Partie mit nur acht Spielern und konnte erst nach einigen Minuten zumindest einen neunten Akteur aufbieten, blieb damit aber in doppelter Unterzahl. Der deutliche Sieg des HSV, für den alleine Tull Harder sechs Tore erzielte, war deshalb nur folgerichtig.

3. September 1977, Bundesliga, 6. Spieltag: Hamburger SV – FC St. Pauli 0:2

Im allerersten Derby in der Bundesliga gelang dem FC St. Pauli ein überraschender Coup. Franz Gerber in der 30. Minute und Wolfgang Kukla drei Minuten vor dem Ende sorgten für einen 2:0-Sieg St. Paulis im Volksparkstadion gegen einen unter anderem mit Kevin Keegan, Felix Magath und Manfred Kaltz angetretenen HSV. Im Rückspiel unterlag St. Pauli auch nur knapp mit 2:3, musste indes am Saisonende den Rückweg in die Zweitklassigkeit antreten.

19. November 1986, DFB-Pokal, Achtelfinale: Hamburger SV – FC St. Pauli 6:0

Das bislang einzige Aufeinandertreffen der beiden Stadtrivalen im DFB-Pokal war letztlich eine klare Angelegenheit zugunsten des auch als hoher Favorit ins Spiel gegangenen HSV. Bereits nach zwei Minuten brachte Sascha Jusufi die Rothosen in Führung und bereits zur Pause war nach weiteren Treffern von Frank Schmöller und Thomas von Heesen beim Stand von 3:0 kein Zweifel mehr am Viertelfinal-Einzug des HSV vorhanden, der im zweiten Durchgang abermals durch von Heesen (2) und Schmöller noch drei Tore nachlegte. Historisch war dieses Pokalduell auch deshalb, weil 58.000 Zuschauer im Volksparkstadion live dabei waren und damit die höchste Zuschauerzahl in der Derbygeschichte verzeichnet wurde.

2. Dezember 2001, Bundesliga, 15. Spieltag: Hamburger SV – FC St. Pauli 4:3

Nach dem überraschenden Aufstieg sollte es bei einem einjährigen Gastspiel des FC St. Pauli in der Bundesliga bleiben mit einer deutlichen 0:4-Niederlage im Rückspiel gegen den HSV. Im Hinspiel allerdings boten die Braun-Weißen dem großen Nachbarn mächtig Paroli, wenn auch erst spät. Durch Tore von Eric Meijer, Milan Fukal und Collin Benjamin führte der HSV schon zur Pause mit 3:0 und konterte St. Paulis Anschlusstreffer durch Thomas Meggle unmittelbar nach der Halbzeit mit dem vermeintlich vorentscheidenden 4:1 durch Sergej Barbarez in der 52. Minute.

Ein Doppelschlag vom zeit seiner Karriere nicht unbedingt als ausgewiesener Torjäger in Erscheinung getretenen Abwehrrecken Andre Trulsen in der 79. und 82. Minute sorgte dann aber für eine heiße Schlussphase, in der St. Pauli allerdings der vierte Treffer nicht mehr gelingen wollte.

16. Februar 2011, Bundesliga, 21. Spieltag: Hamburger SV – FC St. Pauli 0:1

Das bislang letzte Bundesliga-Derby entschied mit Gerald Asamoah ein Akteur, den man gemeinhin eher mit dem Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund als mit dem Hamburger Stadtduell in Verbindung bringt. Doch der Vize-Weltmeister von 2002 lief im Herbst seiner Karriere auch für St. Pauli auf und traf nach einem 1:1 im Hinspiel golden zum Auswärtssieg der Kiez-Kicker im Volksparkstadion. In den Geschichtsbüchern des FC St. Pauli hat Asamoah damit seinen Platz ebenso sicher wie in den Herzen der Fans, wenngleich nach dem Derbycoup bis zum Saisonende kein weiterer Sieg mehr gelingen sollte und wieder einmal der direkte Wiederabstieg wegzustecken war.

16. September 2019, Bundesliga, 6. Spieltag: FC St. Pauli – Hamburger SV 2:0

Nachdem es in der ersten gemeinsamen Zweitliga-Saison 2018/19 nur zu einem Punkt (0:0 auswärts, 0:4 auswärts) gereicht hatte, gelang St. Pauli der erste Derby-Heimsieg nach 59 (!) Jahren. Dimitrios Diamantakos brachte die Kiez-Kicker schon nach 18 Minuten in Führung und HSV-Verteidiger Rick van Drongelen besorgte im zweiten Durchgang per Eigentor die Entscheidung.

22. Februar 2020, 2. Bundesliga, 23. Spieltag: Hamburger SV – FC St. Pauli 0:2

Auch das Rückspiel in der Saison 2019/20 gewann St. Pauli, wobei die vor 57.000 Zuschauern ausgetragene Begegnung erst im Nachgang eine besondere wurde. Denn weil kurze Zeit später die erste Corona-Welle auch über Deutschland schwappte, sollten die vier folgenden Derbys allesamt ohne Zuschauer oder mit stark begrenzter Zuschauerzahl ausgetragen werden. Das letzte Vor-Corona-Derby entschieden Henk Veerman und Matt Penney mit ihren Toren in der 20. und 29. Minute für die Gäste vom Kiez.

 

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FC St. Pauli vs Hamburger SV – Fazit und Prognose

In jüngerer Vergangenheit haben sich beide Vereine sportlich wie wirtschaftlich angenähert, was zum einen an der nachhaltig guten Arbeit des FC St. Pauli, zum anderen und vor allem aber an vielen Fehlern des Hamburger SV lag. Gut möglich, dass sich die Verhältnisse in Zukunft wieder hin zu einem größeren Vorsprung des HSV verändern, der fraglos noch immer über die größere Strahlkraft weit über Hamburg hinaus verfügt und deshalb auch über die bedeutend größeren Möglichkeiten.

Gelingt es den HSV-Verantwortlichen diese besser zu nutzen als in den letzten Jahren, besitzt der einstige Bundesliga-Dino auch das Potential, um nicht nur wieder die klare Vorherrschaft in der eigenen Stadt zurückzuerlangen, sondern auch im deutschen Fußball wieder eine große Rolle zu spielen!

Für St. Pauli wird es hingegen wohl auch in Zukunft das höchste der Gefühle sein, am Bundesliga-Aufstieg zu schnuppern und vielleicht auch das eine oder andere Jahr im Oberhaus zu verbringen. Konstant zu einer Größe in der Bundesliga zu werden, dürfte für die Kiez-Kicker hingegen nur schwerlich möglich sein.

Johannes Ketterl

Experte für Fußball

Geboren 1983 in der Oberpfalz und dort von kurzen Ausnahmen bis heute wohnhaft. Dennoch und trotz deutlich mehr Tiefen als Höhen von klein auf Fan des 1. FC Köln. Studium an der Universität Regensburg und an der FH Schmalkalden, seit 2010 als freiberuflicher Autor mit Schwerpunkt Fußball tätig. Als lizenzierter Fußball-Trainer im Nachwuchsbereich aktiv und mit einem gewissen Faible für die italienische Serie A. Ewige Helden: Maurice Banach und Dennis Bergkamp.

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