Niemandsland

Bayer 04 Leverkusen

Nach der total verkorksten vergangenen Saison startet die Werkself einen neuen Angriff auf ganz oben, glaubt man den Aussagen von Sportdirektor Rudi Völler. Zwar nannte Völler mehrere Gründe dafür, wie das ganze zu Stande kommen soll aber wie genau das gehen soll, dass Bayer sein Ziel erreicht und wieder im Europapokal spielen soll, steht anscheinend auf einem anderen Blatt Papier.

Der neue Trainer, Heiko Herrlich, ist nicht zu beneiden. Zwar kommt er total unbelastet von allem zum Verein und hat in Wahrheit nach dem letzten Trainer, Tayfun Korkut, der nun wahrlich absolut keinen Erfolg gehabt hat, nichts zu verlieren, denn schlechter kann man seinen Job nicht machen. Dennoch, betrachtet man die namhaften Abgänge wie Toprak, Chicharito oder Calhanoglu, um nur einige zu nennen, könnte es ziemlich schwer werden für solche Stars gleichwertigen Ersatz zu finden.

Laut Völler soll es anscheinend auch viel unangenehmer werden gegen Leverkusen zu spielen, weil man mit der Verpflichtung von Sven Bender die Zwillinge vereint hat und ein Tah wieder fit ist. Aber seien wir uns ehrlich, nur weil mindestens einer der Benders nach einer Platzwunde mit einem Turban spielt, heisst das noch lange nicht, dass sie die Elf von Neutrainer Herrlich führen können und ein Jonathan Tha wird auch noch seine Zeit brauchen, um wieder 100% fit zu sein.

Der einzige wirkliche Grund warum die Werkself eventuell vorne angreifen könnte ist, dass sie nicht im Europapokal spielen und sich voll auf die Meisterschaft konzentrieren können.

Wirft man einen Blick auf die bisherigen sieben Testspielergebnisse, könnte Heiko Herrlich angst und bange werden. Denn bis auf das erste Spiel gegen das Kanonenfutter VfB Speldorf, als man locker mit 6:0 gewinnen konnte, gingen drei weitere verloren und in den restlichen drei Spielen war nicht mehr als ein Punkt drinnen. Viel Arbeit also bis zum kommenden Wochenende, wenn Bayer im DFB Pokal zum schweren Auswärtsmatch beim Karlsruher SC reisen muss. Und der Saisonauftakt in der Allianz Arena gegen Bayern München eine Woche später, wird bestimmt auch kein Honiglecken.

Das Trainingslager in Zell am See konnte sich sehen lassen und der Trainer war mit der Arbeit der Profis sowie der Stimmung in der Mannschaft sehr zufrieden. Das Mannschaftsgefüge müsse laut ihm wieder besser werden, denn das ging in der letzten Saison etwas verloren.

Fazit: Der Umbruch bei Bayer 04 Leverkusen ist nicht zu übersehen. Der neue Trainer, der bisher noch nie eine Bundesligamannschaft trainiert hat, aber in den letzten beiden Saisonen Jahn Regensburg in die zweite Bundesliga führte, wird es nicht leicht haben.

Mangelndes Spielermaterial, vor allem was den Angriff betrifft und die vielen namhaften Abgänge machen seine Arbeit auch nicht gerade leichter. Sollten sie nach dem Abgang von Chicharito und Calhanoglu nicht schleunigst Ersatz finden, könnte der Saisonstart gründlich in die Hose gehen.

Auch die rekonvaleszenten Spieler werden noch eine Zeit brauchen bis sie wieder fit sind und selbst dann haben sie nicht das Niveau das Bayer brauchen würde ,um seine Ziele zu verwirklichen.

Prognose: Die Bender Zwillinge alleine werden Bayer nicht dazu verhelfen nächstes Jahr wieder im Europapokal zu spielen. Eine erneut schwere Saison steht ihnen bevor, in der am Ende nicht mehr drinnen sein wird, als das Niemandsland.

Zugänge: Sven Bender (Borussia Dortmund), Marlon Frey (1. FC Kaiserslautern), Andre Ramalho (1. FSV Mainz), Marc Brasnic (Fortuna Köln), Dominik Kohr (FC Augsburg).

Abgänge: Tim Handwerker (1. FC Köln), Chicharito (West Ham United), Hakan Calhanoglu (AC Milan), Kyriakos Papadopulos (Hamburger SV), Patrik Dzalto (Jahn Regensburg), Danny da Costa (Eintracht Frankfurt), Roberto Hilbert (unbekannt), Ömer Toprak (Borussia Dortmund).

 

 

 

VfL Wolfsburg

Die Wölfe konnten in der völlig missratenen vergangenen Saison gerade noch den Kopf aus der Schlinge ziehen. Zwei Relegationsspiele wurden jeweils knapp und teilweise durch umstrittene Schiedsrichterentscheidungen mit 1:0 gewonnen und der Verbleib in Deutschlands höchster Spielklasse gesichert.

Doch was nun. Nach der durchaus erfolgreichen Ära unter Dieter Hecking, der aber nach ausbleibender Entwicklung der Mannschaft im Oktober vergangenen Jahres seinen Hut nehmen musste und dem kurzen aber erfolglosen Intermezzo von Valerien Ismael muss nun Andries Jonker den Karren aus dem Dreck ziehen und Ergebnisse liefern. Diese Aufgabe könnte eine schwere werden, denn unter den namhaften Abgängen wie Luiz Gustavo, Rodriguez oder aber auch Diego Begnalio verlassen nicht nur drei Leistungsträger den Verein, sondern auch Identifikationsfiguren von denen der VfL generell schon sehr wenig hatte.

Und mit einem Paul Verhaeg, der davon lebt gut Elfmeter schiessen zu können, aber längst über seinem Alterszenit spielt oder einem Ignacio Camacho, der wie jeder Spanier Eingewöhnungszeit braucht und bestimmt einen kulturellen Schock erlitten hat, wird nicht sofort helfen können. Dass der Umbruch unumgänglich ist und im Kader viel zu alte Spieler sind ist klar, aber die Wölfe werden noch ein wenig Geld in die Hand nehmen müssen, um eine konkurrenzfähige Mannschaft auf den Platz zu bekommen. Zumindest braucht sich der Vorstand keine Gedanken zu machen wegen einer möglichen Dreifachbelastung, denn von der waren sie in der letzten Saison meilenweit entfernt.

Wenigstens kann Trainer Jonker mit den bisherigen Leistungen in den Tests halbwegs zufrieden sein. Von den acht bisherigen Testspielen konnten fünf gewonnen werden, auch wenn dabei teilweise Mannschaften geschlagen wurden, wie der FC Rapperswil, die man nicht wirklich kennt. In dieser Woche steht noch ein Test am Programm, ehe es am Wochenende im DFB Pokal zum Regionalligist Eintracht Norderstedt geht. Am Wochenende darauf empfangen die Wölfe zum Bundesligaauftakt niemanden geringeren als Borussia Dortmund und von denen wurden sie in der vergangenen Saison bekanntlich ordentlich verprügelt.

In den beiden Trainingslagern in Bad Ragaz, wo zuerst an der Kondition geschuftet wurde und in Klosterpforte, wo man in Ruhe an der Taktik arbeiten konnte, ging alles gut und auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft war großartig.

Fazit: Ein Kader mit zu vielen zu alten Spielern, der in der Breite zumindest für diese Saison reichen könnte, da das internationale Geschäft wegfällt. Zu viele namhafte Abgänge und zu wenig Qualität, die in den Kader dazugekommen ist, sind nur einige der vielen Gründe, warum es für den Vfl in dieser Saison wieder besonders schwer werden könnte.

Prognose: Zwar sollten die Wölfe in der kommenden Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben, jedoch mehr wie das gesicherte Mittelfeld wird nicht drinnen sein.

Zugänge: Paul Verhaeg (FC Augsburg), Ignacio Camacho (FC Malaga), Kaylen Hinds (FC Arsenal), Felix Uduokhai (1860 München), Landry Dimata (KV Oostende), William (Internacional Porto Alegre), John Anthony Brooks (Hertha BSC Berlin).

Abgänge: Ismail Azzaoui (Willem II Tilburg), Luiz Gustavo (Olympique Marseille), Patrick Drewese (Würzburger Kickers), Francisco Rodriguez (FC Luzern), Hendrik Hansen (Würzburger Kickers), Amara Conde (Holstein Kiel), Philipp Wollscheid (Stoke City), Diego Benaglo (AS Monaco), Ashkan Dejagha (unbekannt), Borja Mayoral (Real Madrid), Jannes Horn (1. FC Köln), Ricardo Rodriguez (AC Mailand), Sebastian Stolze (Jahn Regensburg).

lMögliche Zugänge: Anthony Martial (Manchester United), Vieirinha (PAOK).

 

 

 

VfB Stuttgart

Die Stuttgarter schafften nach dem sportlichen Absturz in die zweite Liga den sofortigen Wiederaufstieg und krönten sich am Ende nach einer mehr oder weniger guten Saison mit dem Meistertitel. Dennoch hat es den Anschein, als wären die Schwaben einer der grössten Unbekannten in der kommenden Saison.

Sie haben nach der vergangenen Spielzeit mit ihrem Trainer Hannes Wolf zurecht verlängert und gehen somit mit einem der jüngsten Trainer in die Saison. Sein Team ist nicht gerade mit Stars gespickt, sondern es wird auf den Teamgeist und den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft gesetzt.

Auch am Transfermarkt waren sie bisher nur sehr dürftig unterwegs. Zwar konnten sie mit Holger Badstuber ein Sternchen verpflichten, aber jeder der sich ein bisschen für Fußball interessiert weiss, dass eben dieser Badstuber in den letzten Jahren mehr Zeit damit verbracht hat, sich nach einer Verletzung wieder fit zu machen, als auf dem Fussballplatz zu stehen. Auch Trainer Wolf plant nach eigenen Aussagen vorerst nicht mit ihm und es wird einige Zeit dauern bis Badstuber seinem neuen Team helfen kann.

Zumindest konnte der Stamm der Mannschaft gehalten werden und bis auf einige zweitklassige Spieler musste bislang niemand den Verein verlassen.

Die Testspielphase ist bereits abgeschlossen und von den sieben bestrittenen Spielen konnten lediglich zwei gewonnen werden und das nicht unbedingt gegen die besten Teams. Auch das erste Punktspiel im DFB Pokal am kommenden Wochenende bei Energie Cottbus ist kein Selbstläufer, denn die sind bekannter weise alles andere als leicht zu schlagen. Zum Saisonauftakt müssen die Schwaben gleich bei Hertha BSC Berlin antreten. Eine Auswärtsfahrt, die es ebenfalls in sich hat.

Beide Trainingslager in Grassau am Chiemsee und in Neustift im Stubaital verliefen positiv und es wurde an der Kondition und am taktischen Verhalten geschuftet.

Fazit: Ein sehr junger Trainer, kaum Stars und ein unruhiges Umfeld sind nur einige der Probleme der Stuttgarter. Die Euphorie wird ihnen am Beginn der Saison vielleicht noch helfen, aber danach könnten sie mit dem ohnehin sehr kleinen Kader Probleme bekommen.

Prognose: Ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist für die Schwaben drin, nicht mehr und nicht weniger.

Zugänge: Holger Badstuber (FC Schalke 04), Ailton (GD Estoril Praia), Ron-Robert Zieler (Leicester City), Dzenis Burnic (Borussia Dortmund), Chadrac Akolo (FC Sion), Anastasios Donis (Juventus Turin), Orel Mangala (RSC Anderlecht).

Abgänge: Borys Tashchy (MSV Duisburg), Alexandru Maxim (1. FSV Mainz 05), Marvin Wanitzek (Karlsruher SC), Toni Sunjic (Dynamo Moaskau), Benjamin Uphoff (Karlsruher SC), Florian Klein (unbekannt).

 

 

 

FC Augsburg

Die Fuggerstädter mussten sich in der vergangenen Saison mit Platz 13 zufrieden geben und das obwohl es in der Rückrunde nicht mehr allzu gut stand, um die Mannen von Trainer Baum. Aber sie haben bis zum Schluss die Nerven bewahrt und konnten aus eigener Kraft den Klassenerhalt schaffen.

Teilweise spielten die Augsburger groß auf und blickt man auf die Transfers, so hat sich kein anderes Team punktuell so gut verstärkt. Gregoritsch und Heller werden dem FCA bestimmt in Sachen Torerfolg weiterhelfen und das Offensivspiel ankurbeln. Und auch wenn Kapitän Verhaegh den Verein in Richtung Wolfsburg verlassen hat, sollten sie dem ohnehin zu alten Spieler nicht nachtrauern. Der Kader ist laut Sportdirektor Reuter immer noch zu groß  und es kann sein, dass noch der eine oder andere Spieler den Verein verlassen muss.

Immer auf der Suche nach neuen Trainingsmethoden hat Coach Baum auch in der Vorbereitung wieder etwas getan, was es so noch nicht gegeben hat. Er ließ die komplette Mannschaft in Altersgruppen einteilen, weil er der Meinung ist, ein jüngerer Spieler kann nicht so belastet werden wie ein älterer.

Die Vorbereitungsspiele haben die Augsburger mehr oder weniger positiv über die Runden gebracht. Von den acht Tests konnten sie vier gewinnen und müssen am kommenden Wochenende im ersten Punktspiel im DFB Pokal erstmal richtig beweisen, was in ihnen steckt. Zwar sollte der 1. FC Magdeburg kein gröberes Problem darstellen, aber der Pokal hat bekanntlich eigene Gesetze. Zum Ligaauftakt wollen die Mannen um Trainer Baum beim HSV ihr Auftakttrauma überwinden und im Volksparkstadion voll punkten.

Das zehntägige Trainingslager in Südtirol verlief bis auf die Anreise ohne weitere Komplikationen und der gesamte Verein war mit Gegebenheiten vor Ort und der Leistung des Teams mehr als zufrieden.

Fazit: Die Fuggerstädter haben sich punktuell von allen Teams am besten verstärkt und den Großteil des Kaders halten können. Sollten die neuen Spieler ihre PS sofort auf den Rasen bringen können, könnten die Mannen um Trainer Baum in der kommenden Saison eine der Überraschungen werden.

Prognose: Natürlich muss alles für den FCA zusammenpassen, aber wenn alles gut geht, könnten sie eine der Überraschungen werden in der kommenden Saison und am internationalen Geschäft schnuppern.

Zugänge: Sergio Cordova (Caracas FC), Michael Gregoritsch (Hamburger SV), Marcel Heller (SV Darmstadt 98), Fabian Giefer (FC Schalke 04), Rani Khedira (RB Leipzig), Erik Thommy (Jahn Regensburg), Daniel Opare (RC Lens), Shawn Parker (1. FC Nürnberg).

Abgänge: Paul Verhaegh (VfL Wolfsburg), Halil Altintop (Slavia Prag), Markus Feulner (FC Augsburg II), Marco Schuster (Waldhof Mannheim), Dominik Kohr (Bayer 04 Leverkusen), Albian Ajeti (FC St. Gallen).

Mögliche Zugänge: Florian Klein (VfB Stuttgart)