• Spielstätte: Orakel Arena, Oakland
  • Serie: 2-2 (G1 108:100, G2 93:95, G3 96:91, G4 103:82)

So langsam wird’s spannend. Die Cavaliers und die Warriors schenken sich nichts und sind aktuell gleichauf in den NBA Finals. Wer Spiel 5 für sich entscheidet, hat in der darauffolgenden Partie den ersten Matchball. Dementsprechend groß dürfte die Nervosität sein. Den psychologischen Vorteil haben aktuell vermutlich die Golden State Warriors, die zuletzt erstmals in den diesjährigen Finals einen deutlichen Sieg errungen.

Golden State Warriors

Regular Season: 67 Siege, 15 Niederlagen

Playoffs: 4-0 vs. New Orleans Pelicans, 4-2 vs. Memphis Grizzlies, 4-1 vs. Houston Rockets

Stats Leaders: Stephen Curry 28.0 PPG, Draymond Green 10.1 RPG, Stephen Curry 6.4 APG

Das vierte Spiel der NBA Finals war für die Golden State Warriors das, was man gemeinhin als „Lebenszeichen“ bezeichnet. Bis dato hatten die Dubs in der Finalserie einen ungewohnt schwachen Eindruck hinterlassen und erinnerten in keinster Weise an das grandiose Team aus der Regular Season und den bisherigen Playoffs. Das gilt sowohl auf Team- als auch auf individueller Ebene.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag erfolgte nun womöglich die Wende. Mit 103:82 landeten die Dubs den mit Abstand deutlichsten Sieg der gesamten Serie. Allerdings täuscht das Ergebnis über die Tatsache hinweg, das auch Game 4 über weite Strecken sehr ausgeglichen verlief. Erst gegen Ende zogen die Warriors davon. Dass die Serie souverän ausgeglichen wurde, geht größtenteils auf Steve Kerrs Kappe. Der Rookie-Coach bewies sein taktisches Verständnis und auch Mut, indem er Center Andrew Bogut auf die Bank beorderte und dafür Andre Igoudala starten ließ. Die Warriors liefen also mit einem extrem kleinen Lineup auf (Curry, Thompson, Igoudala, Barnes, Green) und waren damit verdammt erfolgreich. Einerseits, weil Igoudala seine bärenstarken Playoffs offensiv wie defensiv fortsetzte und erneut an beiden Ende des Courts zu den besten Warriors gehörte. Zum anderen, weil die Warriors durch die Small-Ball-Variante endlich die Pace des Spiels kontrollierten.

Anders als in den Spielen zuvor gelang es den Dubs in Spiel 4, das Spiel höllisch schnell zu machen und immer wieder gegen die unsortierte Cavs-Defense zu punkten. Bei der Frage, ob deshalb auch die Schützen besser trafen, oder ob die Pace höher war, weil die Schützen besser trafen, beißt sich die Katze in den Schwanz. Fest steht: Bis auf Klay Thompson, der seine inkonstanten Playoffs fortsetzte, fanden sämtliche Starter ihren Touch. Besonders erfreulich waren die 17 Punkte von Draymond Green, der zuvor in der gesamten Serie lediglich einen einzigen (!) Jumper getroffen hatte.

André Igoudala entdeckte erneut seine Offensivkünste und war gemeinsam mit Steph Curry Topscorer. Die heimliche Feelgood-Story war David Lee, der nach seinem Scoring-Outburst in Spiel 3 wie von Kerr angekündigt mehr Spielzeit bekam. Der Warrior zeigte, warum er der Topverdiener des Teams ist und war mit seinen Picks und dem harten Abrollen eine erstklassige Offensivoption.

Insgesamt erinnerten die Warriors in Spiel 4 wesentlich mehr an das Team, das sie sein wollen. Die Kehrseite der Smallball-Strategie war das schwache Outboxing und Rebounding, dass die Cavs jedoch nicht ausreichend bestrafen konnten, weil das kleine Lineup am Perimeter exzellent verteidigte.

Cleveland Cavaliers

Regular Season: 53 Siege, 29 Niederlagen

Playoffs: 4-0 vs. Boston Celtics, 4-2 vs. Chicago Bulls, 4-0 vs. Atlanta Hawks

Stats Leaders: LeBron James 29.4 PPG, LeBron James 10.7 RPG, LeBron James 8.3 APG

Spiel 4 bestätigte das, was wir alle schon längst wussten. Spielt LeBron James nicht auf überirdischem Niveau, wird es für die Cavaliers schwer gegen die individuell überlegenen Warriors. Bislang hatte James mit seinen herausragenden Individualleistungen den Unterschied ausgemacht und die 2:1-Führung in der Serie durch übermenschliche Vorstellungen erzwungen. 20 Punkte, 12 Rebounds und 8 Assists von Donnerstagnacht wirken zwar auf den ersten Blick ebenfalls nicht von schlechten Eltern, doch sein Einfluss abseits der Statistiken wirkte wesentlich beschränkter. Das lag unter anderem daran, dass er nach wie vor stark für seine Teammates kreierte, diese jedoch nicht trafen. Exemplarisch dafür steht J.R. Smith, der in dieser Nacht selbst einen Swimmingpool verfehlt hätte (0/8 3P).

So war James in der Offense immer wieder auf sich alleine gestellt, was sich in seinen schwachen Quoten niederschlägt. 7/22 FG, selbst die Freiwürfe wollten nicht fallen (5/10). Gemessen an den immensen Erwartungen an den King war es eine allenfalls mäßige Vorstellung von James.

Dass es dennoch lange spannend blieb, hatten die Cavaliers ihrem Big-Men-Duo zu verdanken. Timothey Mozgov und Tristan Thompson nutzten ihre Größenvorteile gegenüber dem kleinen Warriors-Lineup konsequent aus und sammelten 12 der 16 Offensivrebounds ihres Teams. Die daraus resultierenden zweiten Chancen nutzten ihre Teamkollegen jedoch kaum, weswegen die Überlegenheit am offensiven Brett mehr und mehr verblasste. Keinen Vorwurf muss sich vor allen Dingen Mozgov machen, der wie ein Beserker in der Zone wütete und starke 28 Punkte erzielte.

Matthew Dellavedowa, der nach Spiel 3 völlig verausgabt und von Krämpfen geplagt ins Krankenhaus eingeliefert wurde, konnte Stephen Curry in der vierten Finals-Partie nicht stoppen und reihte sich offensiv in die schwachen Performances seiner Teamkollegen ein.

Insgesamt wirkten die Cavaliers in Game 4 einfach nicht frisch genug. Ohne die Leistung der Warriors schmälern zu wollen: Hätte Cleveland vor allem zum Ende hin besser getroffen, hätte es erneut richtig eng werden können – auch ohne einen außerirdischen James. Sollte Kerr an der Small-Ball-Idee festhalten, werden die offensiven Boards und die 2nd-Chance-Points entscheidend sein für die Cavaliers.

Prognose

Spiel 4 stellte gewissermaßen eine Zäsur dar in den NBA Finals. Die Zuschauer sahen ein völlig anderes Basketballspiel als in den bisherigen Partien der Serie. Mit relativ großer Sicherheit lässt sich daher folgendes sagen: Sollte es den Warriors gelingen, erneut dieses Wahnsinnstempo durchzudrücken und ihre Würfe zu treffen, werden sie das nächste Spiel und wohl auch den Titel gewinnen. Sollten die Cavs wiederum es schaffen, die Pace zu kontrollieren und die Warriors ins Setplay zu zwingen, ist der Titel in greifbarer Nähe – so lange LeBron sich wieder auf das Niveau der Spiele 1 bis 3 begibt. Insgesamt halte ich es für wahrscheinlicher, dass Steve Kerrs Erfolgsrezept aus Spiel 4 auch in der kommenden Partie fruchtet (wie schon gegen die Grizzlies). Bogut wird den Rest der Playoffs wohl von der Bank aus verfolgen und zusehen, wie sein Team das Duell an den Brettern zwar verliert, aber seine individuelle Klasse besser ausspielt.

Prognose: -8,5 Golden State Warriors – 1,95 bwin (inzwischen deutlich verbessert)

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