Nach dem Rennen auf dem “Circuit of the Americas” zieht die Formel 1 weiter nach Mexiko zum “Autodromo Hermanos Rodriguez” in Cuidad de Mexico, in unseren Breiten Mexiko-Stadt genannt. ‘Auf der nach den Brüder Pedro und Ricardo Rodriguez, die in den 1960er Jahren in der Formel 1 fuhren, benannten Strecke fand im Vorjahr zum ersten Mal seit 1992 wieder ein Formel 1-Rennen auf mexikanischen Boden statt.

Trotz der damals schon entschiedenen Fahrerweltmeisterschaft war der Zustrom zum Rennen aufgrund des Comebacks nach 24 Jahren sehr stark, was zu einer wahren “Fiesta mexicana” auf den Rängen führte.

Dass es heuer wieder zu vollen Rängen kommt, ist aufgrund der noch offenen Fahrerweltmeisterschaft sehr wahrscheinlich. Trotz des Sieges seines Teamkollegen Lewis Hamilton in Austin hat der deutsche Mercedes-Pilot und WM-Leader Nico Rosberg immer noch alle Trümpfe in der Hand. Der Vorsprung beträgt nun 26 Punkte und bedeutet, daß Rosberg in Mexiko die erste (theoretische) Chance zum WM-Titel hat. Voraussetzung dafür ist ein Sieg des Deutschen und ein Platzierung von Hamilton nicht über Platz zehn.

Formel 1 in Mexiko: Tradition mit langen Pausen

Der Große Preis von Mexiko hat eine lange Historie, die sich in drei Teile gliedern lässt. Erstmals fand ein Formel 1-Rennen 1962 statt, das allerdings noch nicht zur Weltmeisterschaft zählte. Dabei gab es zu einem tragischen Zwischenfall, als der damals 20-jährige Ricardo Rodriguez bei einem Unfall im Training ums Leben kam. Der jüngere der Rodriguez-Brüder nahm zwar nur an fünf Formel 1-Rennen teil, galt aber als ganz großes Talent wie heute der Niederländer Max Verstappen. So hielt Rodriguez fast 55 Jahren lange den Rekord als jüngster Pilot, der bei einem WM-Rennen der Formel 1 einen Platz in der ersten Startreihe (und dazu noch beim Premierenrennen) erzielen konnte (19 Jahre, 6 Monate und 28 Tage beim Großen Preis von Italien 1961 in Monza). Dieser Rekord wurde erst heuer in Spa von Max Verstappen unterboten, der dort sich den zweiten Startplatz gesichert hatte.

Ab 1963 hatte das Rennen auf der damals noch “Magdalena Mixhuco” genannten Strecke WM-Status und fand jährlich bis 1970 statt. Es folgten 16 Jahre Pause, bevor es nach einigen Streckenumbauten zum Comeback kam, das vor allem aus österreichischer Sicht sehr erfreulich verlief. Dank perfekt funktionierender Reifen, die eine Durchfahrt ohne Boxenstopp (damals war das noch vorgeschrieben) möglich machten, gewann der Tiroler Gerhard Berger auf Benetton-BMW sein erstes Formel 1-Rennen und ließ Alain Prost und Ayrton Senna hinter sich. In den folgenden Jahren wurde dann der ursprüngliche Termin im Oktober mehrfach verändert (Mai, Juni und März). 1992 verabschiedete sich die Formel 1 dann von Mexiko, bis es dann wie erwähnt zur neuerlichen Rückkehr 2015 kam.

Gegenüber dem Kurs, auf dem in den 1980er-Jahren gefahren wurde, hat sich wenig verändert. Die mit 1,3 Kilometer für Formel 1-Verhältnisse lange Start-Ziel-Gerade ist ebenso geblieben wie die S-Kurven im zweiten Streckenabschnitt, die lediglich etwas anders geführt werden. Die massivste Veränderung betraf die Schlusskurve “Peraltada”, ein ursprünglich halbkreisförmiger Streckenabschnitt mit Vollgaspotenzial. Hier wure eine Recht-Links-Kombination eingefügt, die die Fahrer erst am Scheitelpunkt der alten Kurve wieder auf den “alten” Kurs bringt. Insgesamt weist der Kurs 16 Kurven auf und umfasst eine Länge von 4,303 Kilometer auf. Für das Rennen sind normalerweise 71 Runden vorgesehen.

Bessere Bodenhaftung als im Vorjahr?

Durch die neue Asphaltdecke gehörten zwar die in den 80er-Jahren typischen Bodenunebenheiten der Vergangenheit an. Allerdings sorgte der ölige Teer für rutschige Bedingungen. Da im Verlauf des vergangenen Jahres auch andere Serien im Autódromo Hermanos Rodriguez gastiert haben, sollte sich der Belag der Formel 1 in diesem Jahr bereits besser gummiert präsentieren. Sowohl Paul Hembery vom Reifenausrüster Pirelli (“Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die Fahrbahnoberfläche seither verändert hat”) als auch Lokalmatador Sergio “Checo” Perez (“Letztes Jahr war der Asphalt ja komplett neu, also sollte es dieses Jahr eine große Verbesserung sein”) erwarten sich eine bessere Bodenhaftung als im vergangenen Jahr.

Nach Monza werden am “Autodromo Hermanos Rodriguez” die höchsten Durchschnittsgeschwindigkeiten der Formel 1 gefahren. Die Topspeeds liegen sogar höher als in Italien: 2015 erzielte Pastor Maldonado aus Venezuela im Rennen einen Bestwert von 366,4 km/h. Beim diesjährigen Rennen könnten die Weiterentwicklungen bei Motoren und Chassis für einen noch höheren Wert sorgen. Jedoch ist Höchstgeschwindigkeit längst nicht alles auf diesem Kurs. Neben den zwei langen Geraden kommt es genauso auf Downforce an. Die erwähnten S-Kurven verlangen jede Menge Abtrieb. In der engen Stadion-Sektion am Ende der Strecke ist mechanischer Grip sicherlich sehr wertvoll.

Herausforderung für Power Unit und Bremsen

Mit 2.285 Meter Meereshöhe ist die Strecke in Mexiko-Stadt die höchst gelegene Formel 1-Strecke. Die daraus resultierende dünne Luft stellt die Formel 1-Teams vor große Herausforderungen bei der Kühlung von Motor und Bremsen. Im Vorjahr meinte Renault-Motorenchef Remy Taffin, dass man bereits bei nur 20 Grad Außentemperatur “alles am Limit” sei. Interessant ist auch die Einschätzung der Ingenieure des Bremsenherstellers Brembo: diese schätzen die Belastung der Systeme auf einer Skala von 1 bis 10 mit neun ein. Daraus resultiert eine offenere Verkleidung der Formel 1-Boliden zur Kühlung der Systeme.

Durch die Höhenlagen kommen höhere Belastungen auf die Turbos der Motoren, was damit die Wahrscheinlichkeit auf Defekte erhöht. Zudem bedeutet Höhenluft, dass der Anpressdruck gering ist und so zu unruhiger Autos führt. Für die Fahrer und Teams ist die Herausforderungen pur, für die Zuschauer dagegen spektakulär anzusehen. “Das Auto fühlt sich leicht und sehr sprunghaft an – und natürlich massiv schnell wenn es geradeaus geht”, beschreibt der deutsche Force India-Pilot Nico Hülkenberg. Und nicht zuletzt fordert die Höhenluft auch die Fahrer selbst.

Beeinflussen kühlere Temperaturen die Reifenstrategien?

Wie in Austin bringt der italienische Reifenausstatter Pirelli die Mischungen Medium, Soft und Supersoft nach Mexiko. Während im Q3 der Supersoft eingesetzt werden muß, gilt im Rennen mindestens ein Stint auf Soft oder Medium als Pflicht. Letztere Mischung haben die meisten Teams bei der Reifenwahl erneut am wenigsten beachtet.

“Für den supersoften Slick ist es die Premiere in Mexiko. Im Freien Training werden daher die Auswirkungen etlicher neuer Faktoren deutlich werden”, meinte Paul Hembery von Pirelli. Das könnte einige interessante Alternativen zur Zwei-Stopp-Strategie führen. Das Setzen auf eine Drei-Stopp-Taktik erscheint aber aufgrund des glatten Asphalts eher utopisch. Im Vorjahr war die erfolgreichste Alternative zur Zwei-Stop-Strategie die von Sergio Perez praktizierte Einstoptaktik, die ihn auf Platz acht führte.

Eine große Unbekannte in Sachen Strategie ist das Wetter, für das es keine eindeutigen Prognosen gibt. 2015 gab es kurz von den Tranings bzw. in einer Session Regen. Aktuell wird trockenes Wetter vorausgesagt bei allerdings gerade mal 16 bis 19 Grad Celius, was unter den Bedingungen 2015 (um die 25 Grad Celsius) liegen würde.

Kampf um die Weltmeisterschaft bei Mercedes

Im Vorjahr kam Nico Rosberg als geschlagener WM-Zweiter nach Mexiko. In dieser eigentlich demotivierenden Situation zeigte der Deutsche dann großen Sportsgeist und startete mit dem Rennsieg eine Siegesserie, die sich bis zum diesjährigen Großen Preis von Spanien erstrecken sollte. Damals sprach Rosberg davon: “Ich motiviere mich einfach damit, dass ich jetzt eine eigene Mini-WM fahre und denke nur an das bevorstehende Training oder Rennen. Es geht nur darum, im Moment zu sein”.

Im Moment zu sein, das scheint Rosberg erfolgreich zu machen. Je näher sich die diesjährige Formel 1-Weltmeisterschaft dem Finale nähert, desto öfter wird der Deutsche mit denselben Fragen im Fahrerlager konfrontiert: Wie viel Druck bereite ihm der WM-Kampf, wie gehe er damit um, wie sehr denke er an den Titel? Bis jetzt hat Rosberg darauf immer mit Tiefstapeln darauf reagiert. Vor dem Rennwochenende auf dem “Autodromo Hermanos Rodriguez” meinte er auf die Frage, ob diese Fragerei ihn nicht nerve: “Nein, die nerven mich nicht. Es ist ja cool, in der Situation zu sein. Das freut mich ja total. Okay, beim 20. Mal ist es nicht mehr so schön wie beim ersten Mal. Aber das ist schon okay”. In den vergangenen Wochen habe er die WM-Tabelle einfach außer Acht gelassen und sich einfach auf die Gegenwart konzentriert, so Rosberg. “Das hat sich für mich am besten angefühlt und dabei bleibe ich”.

Rosbergs Teamkollege Lewis Hamilton, der seine geringe Chance auf die erfolgreiche Titelverteidigung gewahrt hat, sieht seine jetztige Situation als interessante Herausforderung an. “Wenn es jemals eine Zeit gab, um mein Allerbestes zu zeigen, dann sind es die nächsten drei Rennen”, so der Noch-Weltmeister. Allerdings würde er selbst dann Schützenhilfe benötigen, da Rosberg dann in den verbleibenden Rennen eine direkte Platzierung hinter Hamilton reichen würde.

Ferrari hofft auf Aufholjagd in der Konstrukteur-WM

Abgesehen vom mercedes-internen Duell um den WM-Titel sind die Anzahl der Brennpunkte überschaubar. Im Kampf um den zweiten Platz bei den Konstrukteuren hat Red Bull Racing vor dem drittletzten WM-Lauf 2016 einen angenehmen Vorsprung von 53 Punkten auf Ferrari. War man zuletzt in Austin nahe an Mercedes dran, so wird das Team sich damit in Mexiko aufgrund der Kursführung mit den langen Geraden schwer tun, dies zu wiederholen. Eher wird der direkte Gegner wieder die Scuderia sein.

Im Vorjahr war Ferrari in der Qualifikation zwar schneller als Red Bull, verzeichnete einen Doppelausfall. Die “roten Bullen” platzierten sich im Rennen auf Platz vier und fünf. Sebastian Vettel von Ferrari hofft auf eine Außenseiterchance im diesjährigen Rennen: “Letztes Jahr lief es in Sachen Pace für uns hier sehr gut. Da waren wir sehr stark. Dazu kommt, dass auf dieser Strecke niemand viel Erfahrung hat”.

Die langen Geraden könnten den Ferraris sehr entgegen kommen, die sich heuer ja auf schnellen Kursen am besten präsentiert haben. Um allerdings noch für Spannung im Kampf um Platz zwei in der WM zu erzeugen, bedarf es neben einem starken Auftritt der Italiener auch einer geringen Punkteausbeute von Red Bull. Zweiteres scheint aber aufgrund der Ergebnisse zuletzt (vor allem jener von Daniel Ricciardo) eher wenig wahrscheinlich.

Force India setzt auf “Checo-Faktor” im Duell mit Williams

Für die Inder ist der Große Preis der USA wenig erfreulich verlaufen, da man im Kampf mit Williams um Platz vier in der WM wertvolle Punkte verloren hat. Während für Nico Hülkenberg das Rennen nach einer Kollision in der ersten Kurve beendet war, wurde Sergio Perez wenige Kurven später vom russischen Toro Rosso-Piloten Daniil Kvyat abgeschlossen. Perez konnte aber immerhin das Rennen fortsetzen und sich am Ende noch auf Rang acht platzieren. Zwar platzierten sich beide Williams vor ihm, der Vorsprung in der Team-WM beträgt aber noch acht Punkte.

Im Vorjahr zeigte sich Williams besonders stark beim Rennen. Valtteri Bottas fuhr als Dritter auf das Podium, Felipe Massa wurde Fünfter. In den letzten Rennen allerdings läuft es allerdings nicht ganz so für die Briten. Mexiko sollte allerdings mit seinen hohen Geschwindigkeiten für ein offenes Duell zwischen den beiden Mercedes-Kundenteams sorgen. Bei Force India setzt man vor allem auf den Lokalmatador Sergio “Checo” Perez, der sicher besonders motiviert sein wird vor heimischer Kulisse. “Das wird ein Heimvorteil sein“, sagte Force India-Teamchef Vijay Mallya.

Tipps und Prognosen

Sergio Perez wird sicherlich alles daran setzen, um ein starkes Ergebnis beim Heim-Grand Prix zu erzielen. Wie bereits erwähnt, kam der Mexikaner trotz des Zwischenfalls in der ersten Runde nach einer Aufholjagd noch auf den achten Rang. Seit Hockenheim war er immer in den Punkterängen. “Ich will den Zuschauern am Sonntag viel Freude bereiten – hoffentlich wird es ein starkes Rennen für mich. Man sagt, ein Heimrennen würde einen zwei Zehntel schneller machen – und das stimmt”, sagt ein besonders motivierter Perez. Insgeheim träumt “Checo” wohl von einem Platz am Podium, was ihm in dieser Saison schon zweimal gelungen ist. Dafür müsste es allerdings schon bei Ferrari und Red Bull drunter und drüber gehen oder ein verrückter Rennverlauf geschehen.

Realistischer ist da eher eine Platzierung unter den Top 6. Wie zuletzt in Austin und auch schon in den bisherigen Renenn der Saison 2016 zu beobachten, sind auch die Top-Teams vor Ausfällen oder technischen Problemen nicht gefeit. Dazu kommt, dass die Höhenluft sowohl die Technik als auch die Fahrer besonders fordern wird. Diese könnte Perez in die Karten spielen.

In Sachen Podium ist vor allem Daniel Ricciardo interessant. In den vergangenen acht Rennen stand der Australier nur zweimal nicht am Podium. Lange hatte sein Team Red Bull in dieser Saison ja das Image, stark beim Downforce zu sein aber Defizite auf schnellen Kursen zu haben. Mittlerweile zeigt sich aber Red Bull auch auf schnellen Kursen sehr stark und hat hier Ferrari im Griff. Ricciardos Teamkollege Max Verstappen mag zwar präsenter in den Medien sein, die Nummer eins im Team ist aber Ricciardo. Aufgrund seiner blendenden Form sieht es wieder nach einem “Shoey” (Trinken des Siegersekts aus dem Schuh) des Australiers bei der Podiumfeier aus. Wir schlagen daher ein Setzen auf Podium Finish vor, für das Betfair eine solide Quote von 2,14 bietet.

Tipps:

Sergio Perez Top 6 Finish – Quote wird noch ergänzt

Daniel Ricciardo Podium Finish – Quote wird noch ergänzt