Nach dem Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps am vergangenen Wochenende gastiert die Formel 1 an diesem Wochenende in Monza auf einer weiteren schnellen Traditionsstrecke.

Nach dem Sieg des deutschen Mercedes-Piloten Nico Rosberg und der brillanten Aufholjagd von seinem Teamkollegen Lewis Hamilton (Großbritannien) vom letzten Startplatz (Strafversetzung wegen zahlreicher neuer Motorteile außerhalb der Toleranz) von Position 22 auf 3 hat der Deutsche den Rückstand auf den in der Weltmeisterschaft führenden Briten auf neun Zähler reduziert.

Die Akte Verstappen oder Übermut tut selten gut

Dies ist allerdings im Zuge der Aktionen vom niederländischen Red Bull Racing-Piloten Max Verstappen in der ersten Kurve nach dem Start und im weiteren Rennverlauf gegen den finnischen Ferrari-Piloten Kimi Raikkönen etwas untergegangen. Dass der von vielen Seiten als Supertalent gelobte 18jährige in der Startkurve nach einem verpatzten Start (die Drehzahl fiel am Anfahren in den Keller) in der ersten Kurve innen seine Position zurückgewinnen wollte und dabei Raikkönen den Frontflügel beschädigte (Vettel hatte seinem Teamkollegen von links wenig Platz gelassen), kann man noch als Rennunfall gelten lassen. Drei Wagen nebeneinander in der ersten Kurve von Spa, das war noch nicht frei von Berührungen.

Was er aber später mit seiner abrupt geänderten Linie bei einem Überholversuch des Finnen nach dem Streckenabschnitt Eau Rouge zeigte, war aber egoistisch und gefährlich. Bei diesem Streckenabschnitt, wo die Formel-1-Piloten mit ca. 320 km/h unterwegs sind, kann so etwas zu einem schwerwiegenden Unfall führen, wenn der Hintermann nicht rechtzeitig auf die Bremse steigt, so wie es der Ferrari-Pilot tat und damit eine Kollision verhindert.

Sanktionen gab es für diese Aktion keine, was dem niederländischen Teenager die Aussage entlockte: „Es hat keine Strafen gegeben, es gibt also keinen Grund, etwas zu ändern“. Jugendschutz in allen Ehren, aber die Rennkommision mißt mit zweierlei Maß in diesem Fall. In Hockenheim wurde Nico Rosberg bei seiner Aufholjagd nach einem harten, aber grundsätzlich nicht gefährlichen Ausbremsmanöver gegen Verstappen zu einer Boxendurchfahrtsstrafe verdonnert, was ihm dann den Podiumsplatz kostete. Beim Niederländer, der für seine Härte in den Zweikämpfen bekannt ist, ließ man in der bisherigen Saison immer Gnade walten. Raikkönen selbst blieb trotz der Aktionen von Verstappen sachlich, zumindest in den Interviews: „Persönlich habe ich nichts gegen Max, er macht einen guten Job, er ist schnell, aber manche Dinge sind nicht korrekt“, sagte der Weltmeister von 2007 in seiner typischen direkten Art.

„Für mich ist die Sache in Spa erledigt“, hatte Verstappen am heutigen Donnerstag im Red Bull-Motorhome in Monza gemeint. Diese Meinung dürfte er wohl exklusiv haben. Am Freitag steht die Fahrerbesprechung an, und in dieser wird sicherlich seine Fahrweise ein Thema sein. Nico Rosberg hatte da schon eine Vorahnung: „Ich denke, unsere Freunde in Rot (die Ferrari-Piloten: Anmerkung) werden dazu sicherlich einiges zu sagen haben“.

Traditionsstrecke in malerischer Umgebung voller Tragödien und Triumphe

Vom trotzigen Teenager nun zur Rennstrecke: Das „Autodromo Nazionale di Monza“, so der offizielle Name der Rennstrecke befindet sich knapp 25 Kilometer nördlich von Mailand und liegt mitten im königlichen Park von Monza, der stolze 688 Hekta umfasst. Der Strecke besteht seit 1922 und wurde mehrfach umgebaut (bis 1961 enthielt das Streckenprofil sogar Steilkurven). Heute gilt der Kurs als einer der letzten Hochgeschwindigkeitskurse. Rund 70 Prozent einer Runde werden mit Vollgas gefahren, was der höchste Anteil aller aktuellen Rennstrecken im Formel1-Kalender ist.

Nirgendswo anders ist der Grad zwischen Tragödie und Triumph in Monza so schmal als in Monza. In den 1970er Jahren ließen der legendäre Österreicher (und einzige postume Formel 1-Weltmeister) Jochen Rindt (1970) und der Schwede Ronnie Peterson ihr Leben. Besonders tragisch war damals die Situation bei Peterson, dessen Verletzungen (mehrfache Beinbrüche) bei einem Unfall nach dem Start nicht lebensbedrohlich waren. Aufgrund einer katastrophaler medizinischen Versorgung (u.a. Abtransport von der Rennstrecke erst nach 40 Minuten) verstarb der bis heute erfolgreichste Formel 1-Pilot aus Schweden jedoch in der darauffolgenden Nacht an einer Fettembolie. Beim Rennen im Jahr 2000 wird ein Streckenposten nach einer Massenkollision mehrerer Formel 1-Boliden von einem umherfliegenden Rad getroffen und tödlich verletzt.

Neben diesen tragischen Ereignissen gab es aber auch positive Momente wie jener beim Rennen im Jahr 1988. Aufgrund einer Kollision beim Überrunden in der vorletzten Runde „schenkte“ der bis dahin klar führende Ayrton Senna zwei Runden dem Ferrari-Team den Doppelsieg (Gerhard Berger vor Michele Alboreto) beim Heimrennen. Besonders emotional war dieser Doppelsieg vor allem aufgrund des Umstands, da der Firmengründer Enzo Ferrari einen knappen Monat zuvor mit 90 Jahren verstorben war. 2006 gewann Michael Schumacher das Rennen und gab gleichzeitig seinen (ersten) Rücktritt aus der Formel 1 zurück. Und 2008 schaffte der heutige Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mit damals 21 Jahren als bis dahin jüngster Fahrer aller Zeiten sensationell die Pole-Position und gewinnt auch am Tag darauf das Rennen.

Chance auf Ferrari-Sieg eher Wunschdenken, Mercedes-Teams mit Chance

Ein weiterer Triumph (insgesamt gewann Vettel dreimal den Großen Preis von Italien) und das im Heimrennen von Ferrari wäre Vettel wohl ein großer Wunsch. Realistisch betrachtet sind die Chancen dafür sehr gering. Zu dominant ist das Mercedes-Team in dieser Saison. Dazu kommt, dass die Roten aus Maranello seit mittlerweile vier Rennen ohne Podiumsplatzierung sind. Starke Resultate sind gefragt, vor allem jetzt beim Heimrennen, das als wichtigstes Rennen bei Ferrari gilt. „Wer keine Leistung bringt, kann gehen. Das gilt für alle bei Ferrari, mich eingeschlossen. Wir sind dazu verpflichtet, die Ziel zu erreichen, die wir uns gesetzt haben“, war der Ferrari-Präsident Sergio Marchionne sehr deutlich in einem Interview vor wenigen Tagen.

Ein Podiumsplatz gilt daher beim Ferrari-Team, das bisher 18 Siege in Monza erzielt, als Minimum. Dabei wird es aber neben Red Bull Racing viel Konkurrenz geben. Der schnelle Streckenverlauf kommt auch den Kundenteams von Mercedes wie Force India und Williams, die beide um Platz vier in der Konstrukteur-Weltmeisterschaft kämpfen, entgegen. Bei den Hinterbänklern ist Manor im Vorteil. Nach dem starken Auftritt in der Qualifikation in Spa-Francorchamps hat Manor-Pilot Pascal Wehrlein wieder eine gute Chance auf die Teilnahme in Q2. Ob es dann im Rennen für eine Sensation wie in Österreich, wo er mit Platz 10 einen WM-Punkt eroberte reicht, kommt auf.

Tipps und Prognosen

Ganz klar, der Sieg führt über Mercedes, und vor allem über Lewis Hamilton. Der Brite hat hier schon dreimal gewonnen, hat den Power-Unit-Wechsel hinter sich und kann nach seiner erfolgreichen Aufholjagd in Spa-Francorchamps, wo er nur wenige Punkte in der Weltmeisterschaft verlor, entspannt ins Rennen gehen. Sein Teamkollege Nico Rosberg hat hingegen noch nie in Monza gewinnen können, sein bestes Resultat war ein zweiter Platz (2014).

Besonders gespannt sind viele auf den Auftritt des Lokalmatadors Ferrari. In Belgien haben sich Vettel und Raikkönen am Freitag eher auf die Abstimmung konzentriert und dann am Samstag in der Qualifikation mit Platz drei und vier ein heftiges Lebenszeichen gesandt. Ohne kleinen Fehler in der letzten Kurve wäre laut Raikkönen die Pole-Position drinnen gewesen, was auch seinem Teamkollegen Vettel passierte. Die Pace auf schnellen Strecken ist also bei Ferrari auf jeden Fall da. Beim jetzigen Heimrennen wird die Motivation beider Fahrer besonders hoch sein. Wenn man es diesmal schafft, die Positionen am Start zumindest zu halten und sich von den berühmten Kollisionen in der ersten Kurve, die es auch in Monza immer wieder gibt, fernzuhalten, dann wird das was mit dem Feiern auf dem Podium vor den Ferrari-Tifosi

Von den beiden Ferrari-Piloten wäre zwar Vettel aufgrund seiner besseren Monza-Bilanz (drei Siege) als Kandidat fürs Podium zu sehen. Dieses Mal könnte aber Raikkönen ein heißer Tipp für die Top3 sein. Wer in Belgien vorne dabei ist, fühlt sich auch in Monza wohl. Warum der „König von Spa“ (vier Siege) bisher nur zwei dritte Plätze als beste Resultate beim Großen Preis in Italien hat, ist merkwürdig. Sei es darum, die Chance auf eine weitere Platzierung am Podium von Raikkönen vor mehr als entfesselten Tifosi ist auf jeden Fall da.

Tipp: Raikkönen Top 3 Finish Race Quote 3,75 NetBet (sehr gute Auswahl, starke Quoten!)

Anbieter
Bonus
Link
netbet bonus
€100