In einem der chaotischsten Qualifikationstrainings am Hungaroring aller Zeiten hat der deutsche Mercedes-Pilot Nico Rosberg mit 1:19,965 min die schnellste Zeit vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton (Großbritannien) und dem Australier Daniel Ricciardo (Red Bull Racing) erzielt.

Da Rosberg seine schnellste Runde während einer Gelbphase im Streckensektor zwei fuhr und die Frage noch offen, ob er tatsächlich Tempo in diesem Abschnitt herausgenommen hat, ist noch offen, ob er tatsächlich morgen von der Pole-Position starten wird. Der Stand am Samstagabend war, dass dies der Fall sein wird. Aufgrund eines chaotischen Q1 mit Unterbrechungen wegen Starkregen und einigen Drehern dauert die Qualifikation fast zwei Stunden.

Regenchaos verzögert Start der Qualifikation, prominente Abwesende im Q3

Die ursprüngliche Startzeit von 14:00 der Qualifikation für den Großen Preis von Ungarn fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Starker Regen sorgte für ein zweimaliges Verschieben des Starts um zehn Minuten. Keine sieben Minuten nach dem Start des Q1 setzte der Regen wieder ein und es folgte eine Unterbrechung.

Nach dem Neustart dauerte es nicht lange bis zur nächsten Unterbrechung. Neun Minuten vor dem Ende von Q1 war der schwedische Sauber-Pilot Marcus Erikson aufgrund von Aquaplaning von der Strecke abgeflogen, was er heil überstand. Im Gegensatz zu seinem Unfall beim Qualifying in Silverstone vor einer Woche trug sein Wagen einen vergleichsweise leichten Schaden davon. Es folgte ein neuerlicher Re-Start und kurz darauf kam erneuert die rote Flagge für den Abbruch: der brasilianische Williams-Pilot Felipe Massa hatte sich von der Strecke gedreht.

Beim Abflug in die Werbebande wurde sein Wagen so schwer beschädigt, dass damit für den Vizeweltmeister von 2008 die Qualifikation vorzeitig beendet war. Nachdem der Wagen von Massa von der Strecke geräumt wurde, wurde das Q1 fortgesetzt, bis dann das Schlusslicht der Formel 1, der Indonesier Rio Haryanto vom Manor-Team, sich von der Strecke drehte und in die Streckenbegrenzung krachte. Da zu diesem Zeitpunkt weniger als eine Minute noch zu fahren war und in dieser verbliebenen Zeit keine Runde mehr möglich war, wurde Q1 nicht mehr fortgesetzt und es ging in Q2.

Im zweiten Teil der Qualifikation kam dann die Sonne raus und die Strecke trocknete ab. Dadurch wurde klar: wer so spät wie möglich seine schnelle Runde fährt, der hat die besten Chancen auf Q3. Die Bestzeit markierte der niederländische Red-Bull-Pilot Max Verstappen vor Rosberg und Ricciardo. Aufgrund eines Verbremers in seiner letzten schnellen Runde schaffte Weltmeister Hamilton mit Platz zehn gerade noch den Sprung ins Finale. Der Abstand zum Elften Romain Grosjean (Haas F1 Team) aus Frankreich betrug gerade mal ein Zehntel. Pech hatte der finnische Ferrari-Pilot Kimi Raikkönen. Er erzielte eine Minute vor Schluss zwar die Bestzeit, wurde aber noch von den nachfolgenden Fahrern abgefangen und landete nur auf Platz 14.

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Rosberg fährt Pole während Gelb-Phase

Im finalen Abschnitt der Qualifikation markiert zunächst Lewis Hamilton die Bestzeit. Im ersten Sektor nahm er seinem Stallkollegen Rosberg rund vier Zehntelsekunden ab. Während der letzten schnellen Rundenversuche drehte sich plötzlich Fernando Alonso von McLaren-Honda in Kurve neun von der Strecke. Die Marschalls schwenkten doppelt gelbe Flaggen („Tempo wählen, dass ein Anhalten jederzeit möglich ist“) im Sektor zwei. Während die meisten Fahrer ihre Geschwindigkeit deutlich verlangsamten, war das bei Rosberg zunächst nicht klar.

Grund für die Zweifel war seine absolute Bestzeit in 28.759 Sekunden. Hamilton brauchte im Q3 36.653 Sekunden im Sektor, also fast acht Sekunden mehr. Während der Brite seine Runde abbrach, fuhr Rosberg seine Runde zu Ende und schnappte sich noch die Pole mit einem Vorsprung von 0,143 Sekunden auf seinen Teamkollegen.

„Natürlich waren da doppelt geschwenkte gelbe Flaggen. Aber ich bin sehr, sehr vom Gas gegangen. Dadurch habe ich viel Zeit verloren. In diesem gelben Segment war ich auch langsamer als auf meiner vorigen Runde. Ich bin also sicher, dass alles in Ordnung ist“, sagte Rosberg zu seiner Pole-Runde. Seine Aussage wurde von Mercedes-Sportchef Toto Wolff untermauert: „Er ist unter Gelb vom Gas gegangen, und zwar ausreichend, das ist auf unseren Daten ersichtlich. Natürlich protestiert vielleicht jemand, aber aus unserer Sicht war es in Ordnung“.

„Es muss eine drastische Strafe geben. Nicht nur die Rundenzeit, sondern alle gefahrenen Runden in der Qualifikation müssen ihm gestrichen werden“, forderte Red-Bull-Racing-Berater Helmut Marko. Diese Aussage ist möglicherweise nicht ganz ohne Eigennutz. Im Falle einer Strafe für Rosberg würde einer der Red Bull-Wagen in der ersten Startreihe stehen.

Differenzierter war die Meinung von Ex-Formel 1-Fahrer Christian Danner: „Ich bin da sehr skeptisch, ich würde jede Entscheidung der Stewards verstehen. Schwierig ist das Ganze aufgrund der veränderten Streckenbedingungen. Das bedeutet, wenn du das Gas lupfst und trotzdem schneller bist als in der Runde davor, hat das mit den verbesserten Streckenverhältnissen zu tun“.

Ferrari verpokert sich bei Raikkönen, Vettel trotz Startposition 4 zuversichtlich

Während die Red Bulls sich als klare erste Verfolger von Mercedes gezeigt haben und der Abstand gegenüber den Freitagtrainings geringer geworden ist, ist bei Ferrari die Qualifikation sehr durchwachsen verlaufen. Raikkönen wurde im Q2 zu früh zum letzten Versuch auf die Strecke geschickt. Nach Beendigung seiner letzten Runde konnte die anderen Fahrer noch kontern und ihn auf Position 14 verdrängen.

Sebastian Vettel wurde in Q3 in seiner letzten schnellen Runde durch Verkehr im letzten Sektor aufgehalten und landete auf der fünften Position. „Ich bin nicht zufrieden mit dieser Position. Die Pace für die erste Startreihe war vorhanden. Wir müssen uns nicht verstecken, wir haben ein starkes Auto. Das einzige Schwierige morgen ist, dass man hier schwer überholen kann. Hoffentlich haben wir einen guten Start. Ich denke, im Rennen können wir schneller als Red Bull sein“, so der vierfache Weltmeister.

McLaren-Honda steigert sich und hoffte auf doppelte Punkte im Rennen

Sehr erfolgreich verlief das Qualifying für das Team von McLaren-Honda, das nach dem punktelosen Heimrennen in Silverstone (Platz 12 und 13) morgen von den Positionen 7 (Fernando Alonso) und 8 (Jenson Button) ins Rennen gehen wird. „Wir haben nach dem Rennen noch einige Tage in Silverstone verbracht für Testfahrten, um mit unseren Ingenieuren in Japan und in Großbritannien wertvolle Daten zu sammeln, die bei der Weiterentwicklung des MP4-31 helfen“, sagte McLaren-Honda-Renndirektor Eric Boullier, dessen Team das erfolgreichste von allen am Hungaroring ist. Elf Siege holte man seit der Premiere am Hungaroring 1986, zuletzt 2012 durch Lewis Hamilton. Im Vorjahr schaffte man nach einem desaströsen Saisonverlauf mit Rang fünf (Alonso) und neun (Button) das bis dahin beste Saisonergebnis.

Tipps und Prognosen

Der Verlauf des Hungarorings kommt dem Team von McLaren-Honda sehr entgegen. Aufgrund der geringen Überholmöglichkeiten fallen die Schwächen der Power Unit nicht so ins Gewicht. Vor dem Rennwochenende hatte Honda-F1-Boss Yusuke Hasegawa die Devise „Erreichen von Q3 und einige Punkte holen“ ausgegeben. Punkt eins haben die beiden ehemaligen Ungarn-Sieger Alonso (2003) und Button (2006, 2011) erfüllt, und das Erfüllen der zweiten Vorgabe scheint sehr realistisch.

Tipp: Doppelte Punkte im Rennen McLaren – 2,1 William Hill

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