Bundesliga Wetten und Tipps 2016-2017

Die deutsche Bundesliga startet in die neue Saison und Rekordmeister FC Bayern will natürlich wieder einmal Meister werden. Dass dies mehr als schwierig werden kann, ist angesichts eines sehr motivierten Konkurrenten aus Dortmund natürlich klar. Spannend wird diese Saison allemal, denn teils gab es im Vorfeld spektakuläre Transfers. Wer wirklich Chancen auf die Spitze hat und für wen es bergab gehen könnte, zeigt dieser Überblick. Wenn ihr unseren Vorbericht wollt, einfach an den Tipps vorbeiscrollen:

FC Schalke 04 – Bayer 04 Leverkusen Tipp 11.12.2016

Einen echten Kracher bietet das letzte Duell des 14. Spieltages. Die Werkself aus Leverkusen gastiert in der Veltins Arena auf Schalke. Wie stecken die Königsblauen die unfaire Niederlage gegen RB weg? Die Europa League war kein Maßstab, da es um nichts mehr ging.

Hertha BSC Berlin – SV Werder Bremen Tipp 10.12.2016

Im Spitzenspiel des 14. Spieltages empfängt die alte Dame aus Berlin den SV Werder Bremen. Beide Teams konnten ihr letztes Bundesligaspiel gewinnen und befinden sich am aufsteigenden Ast. Dennoch sind natürlich die Ausgangspositionen sehr unterschiedlich. Die Hauptstädter hoffen sicherlich auf eine Saison, in der ihnen nicht die Puste ausgeht.

SC Freiburg – SV Darmstadt 98 Tipp 10.12.2016

Ein weiteres spannendes Abstiegsduell am 14. Spieltag bietet die Begegnung des SC Freiburg und der Lilien aus Darmstadt. Es ist das erste Aufeinandertreffen in Deutschlands höchster Spielklasse dieser beiden Teams.

Hamburger SV – FC Augsburg Tipp 10.12.2016

Am kommenden Wochenende empfängt der HSV den FC Augsburg. Es ist für die Rothosen nach dem Unentschieden im Nordderby gegen Werder Bremen und dem ersten Saisonsieg gegen die Lilien aus Darmstadt das dritte Abstiegsduell in Folge.

FC Ingolstadt – RB Leipzig Tipp 10.12.2016

Am Samstag empfängt das Tabellenschlusslicht FC Ingolstadt den Sensationsaufsteiger und aktuellen Tabellenführer RB Leipzig. Wie weit kann es eigentlich für das Team aus dem Osten gehen? Irgendwie will man einfach nicht daran glauben, dass sie am Ende der Saison noch so weit oben stehen könnten.

FC Bayern München – VfL Wolfsburg Tipp 10.12.2016

Der Rekordmeister aus München empfängt in der Allianz Arena seinen Lieblingsgegner, die krisengeschüttelten Wolfsburger. Hier sollten ursprünglich zwei Gegner auf Augenhöhe im Stadion sein, doch die Entwicklung dieser Saison ist so unglaublich anders als die Idee, die die Wolfsburg-Verantwortlichen im Kopf hatten…

FC Köln – Borussia Dortmund Tipp 10.12.2016

Im Duell der Tabellennachbarn empfängt der Siebte Köln den Sechsten Borussia Dortmund. Zudem treffen die beiden Führenden in der Torschützenliste Anthony Modeste (12 Treffer) und Pierre-Emerick Aubameyang (15 Treffer) im direkten Duell aufeinander.

Die Titelfavoriten

FC Bayern

Selbstverständlich sind die Jungs von der Säbener Straße Titelanwärter Nummer 1. Nach dem Wechsel auf der Trainerposition scheint sich vieles innerhalb des Vereins zu entspannen, was unter Guardiola zu zerreißen drohte. Hauptverantwortlich für die neue “Mia san Mia” Mentalität ist Carlo Ancelotti. Seine Charakterzüge passen besser zum Selbstverständnis der Bayern. Er ist stoisch, ruhig und ein sehr erfahrener Gentleman – quasi der alternde James Bond, den man sich im Verein immer gewünscht hat. Das, was Hitzfeld und Heynckes geschafft haben, nämlich in die Klubgeschichte einzugehen, dürfte auch einem Ancelotti gelingen.

Was die Bayern verkraften müssen ist, dass Abwehrchef Boateng noch bis Oktober auszufallen droht. Nach seinem Muskelbündelriss im EM Halbfinale befindet er sich einerseits im wohlverdienten Urlaub und wird natürlich auch an einem möglichst frühen Comeback arbeiten. Für ihn dürften entweder Martinez, Kimmich oder Badstuber in der Startelf stehen. Javi Martinez spielte bereits unter Guardiola immer wieder in der Innenverteidigung, das gleiche gilt für Kimmich. Badstuber befindet sich nach seinen unzähligen Verletzungsrückschlägen wieder einmal auf dem Weg in die Startelf. In den Testspielen kommt er immer wieder zum Einsatz und zeigt bisher, dass sein Körper den Belastungen standhalten kann. Ob es für die Startelf reicht, weiß nur die medizinische Abteilung und Ancelotti selbst.

Größter Transfer in der Defensive ist der Einkauf von Mats Hummels. Der Ex-Dortmunder kostete 38 Millionen Euro und wird natürlich in Zukunft an dieser Marke gemessen. Als sehr ruhiger und abgeklärter Innenverteidiger dürfte ihm die Eingewöhnung sehr leicht fallen, kennt er ja sowieso die meisten Mitspieler bereits aus der Nationalmannschaft. Zweiter spektakulärer Transfer war der Kauf vom 18-jährigen Renato Sanches, der aus Benfica nach München wechselte. Das er nach der Verpflichtung noch Europameister mit Portugal wurde, ist nicht nur Glück gewesen – sondern zeigt auch, wie zielgenau das Scouting von Talenten bei den Bayern funktioniert.

Rummenigges Anliegen war denkbar einfach: Möglichst die Spieler loszuwerden, welche für Unruhe im Kader sorgen könnten. Kurzum verließ der verletzungsanfällige Benatia die Bayern in Richtung Juve, Götze ging zurück zum BVB und auch Rode startet von nun an für die Borussen. Der erst 20-jährige Höjbjerg ging für 15 Millionen in die Premier League und versucht sich nun beim FC Southampton.

Mit all den Wechsel konnten man die Kaderkosten etwas reduzieren und Platz machen für… ja für was eigentlich? Ancelotti forderte keine unfassbar teuren Neuzugänge, sondern möchte mit dem Material arbeiten, das vorhanden ist. Dieser Schachzug ist insofern schlau, als dass Carlo damit dem bestehenden Spielerpool keine neuen Stars vor die Nase setzt, sondern sich erst einmal ein Bild davon macht, was vorhanden ist. Sollte Nachbesserung notwendig sein, wird man natürlich im Winter nach neuen Charakteren Ausschau halten.

 

Angesichts einer Offensive, die mit Ribéry, Robben, Coman und Costa gleich vier Außenstürmer besitzt, die jede Defensive schwindelig spielen kann, ist man ausgezeichnet vorbereitet für das, was da auch kommen mag. Das Mittelfeld um Alonso, Vidal und Thiago erhält mit Sanches einen weiteren engagierten und durchschlagskräftigen Arbeiter. Die Sturmpositionen um Lewandowski und Müller bekommen mit Eigengewächs Julian Green, der in den Testspielen immer wieder ran durfte, ein bisschen Druck gemacht.

Wie auch immer die Saison starten sollte – die Bayern sind Weltklasse aufgestellt, wie immer. Mit Neuer im Tor und zwei defensiven Außenverteidigern wie Lahm und Alaba, kann dem FCB eigentlich niemand gefährlich werden. Zumindest, wenn man auf die letzte Saison schaut. Diese Saison könnte es die ein oder andere Mannschaft geben, die wirklich dazu in der Lage ist, denn Bayern unangenehm auf die Pelle zu rücken.

Borussia Dortmund

113,75. Was das ist? Nein, keine Temperatur in Fahrenheit oder der Code für ein Zahlenschloss, sondern der exakte Betrag, welcher für alle neuen Spieler ausgegeben wurde. Damit hat der BVB bereits vor Start der Liga einen Rekord aufgestellt, den so nicht einmal die Bayern hinbekommen haben. Für den noch größeren Erfolg nach einer bereits unfassbar guten Saison stellte man Trainer Tuchel so viel Geld zur Verfügung, wie man normalerweise nur auf der Konsole ausgibt. Und was mit dem Geld angestellt wurde, ist fast noch unbeschreiblicher, als der letztendliche Betrag selbst!

Einerseits komplettierte man mit Götze und Schürrle das, was man gemein hin unter einer legendären Offensive versteht. Wer sich einmal vorstellt, dass der BVB kommende Saison mit Aubameyang in der Spitze startet, der eine Offensivreihe hinter sich weiß, die aus Marco, Mario und André besteht, der denkt sicher wieder an die Konsole zurück. Doch das ist nun tatsächlich möglich, soweit Schürrle wieder zu alter Stärke zurück findet. Unter wem sonst als Thomas Tuchel, seinem Ziehvater zu gemeinsamen Mainzer Zeiten, sollte das gelingen?

Die Offensive erhält zur neuen Saison jedoch noch mehr Qualität, da man sich mit Dembélé aus Frankreich und Emre Mor aus der Türkei gleich zwei Jungtalente leistete, die bereits in der Vorbereitung für Furore sorgten. Am Ende wird Tuchel gerade was den Angriffsbereich angeht die Qual der Wahl haben. Wobei, eigentlich sollte eine solche Wahlmöglichkeit keine Qual sein.

Eine große Lücke wird definitiv der Abgang von Mats Hummels hinterlassen, der in der Innenverteidigung mehr rettete über die Jahre, als so manch einer glauben mag. Ihn gleichwertig zu ersetzen, wird natürlich nicht gelingen. Deshalb entschied man sich aber auch für einen Transfer, der vor allem in Zukunft noch mehr Effekt haben wird. Marc Bartra vom FC Barcelona wurde losgelöst, da er dort nicht zu den erhofften Einsätzen kam, die ein Spieler mit seiner Klasse eigentlich erreichen sollte. Bei Dortmund wird er direkt einen Stammplatz sicher haben und sich in den nächsten Monaten beweisen müssen.

Auch die Borussia aus Dortmund hat wie der FC Bayern einen Europameister in den eigenen Reihen. Man holte aus Lorient den jungen Guerreiro, der Schmelzer und Pisczek auf den Außen ersetzen kann. Vielleicht wird er auch aufgrund seiner Qualitäten, die vor allem im Umschaltspiel liegen, bereits früher eine Chance bekommen, als man im ersten Moment vermuten mag. Zu guter Letzt ist noch der Wechsel von Sebastian Rode zu nennen, der die Lücke, welche Gündogan hinterlässt, füllen soll. Rode ist mehr der Arbeiter und Einleiter, Gündogan war vom Typ her eher der klassische Spielmacher.

Wie auch immer man das Blatt dreht und wendet – Borussia hat den Druck im eigenen Kader unfassbar erhöht und will in allen drei Wettbewerben das Maximale erreichen. Anders ist ein solch immenser Invest auch nicht zu erklären. In Anbetracht der Leistung aus dem Vorjahr ist eine Steigerung natürlich nur schwer zu erreichen, da man durchaus Top-Spiele ablieferte. Lediglich die Gleichmäßigkeit in entscheidenden Spielen fehlte. Diese dürfte jedoch durch die neuen Einkäufe von nun an gegeben sein. Einziges Manko: Mit einer solchen Aufstellung und Transferleistung steht man nicht nur mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch gehörig unter Druck. Denn eines ist klar – eine Meisterschaft ist auf jeden Fall möglich!

Teams mit Überraschungspotenzial

Schalke 04

Was hat man auf Schalke nicht alles verändert! Erst holte man mit Heidel einen neuen Manager. Und Christian Heidel ist nicht irgendeiner, sondern der vielleicht sympathischste Manager aus der Bundesliga, mit unvergleichlicher Fachkompetenz versehen. Dies bewies er in Mainz, als er Trainer wie Klopp und Tuchel verpflichtete, oder aber Spielerdeals einleitete, die man so zuvor von vermeintlich kleinen Klubs nicht kannte. Auf Schalke soll er nun das wieder in Ordnung bringen, was man Heldt über die Jahre hin angelastet hat. Nämlich Spieler zu verpflichten, die nicht zusammenpassen, oder aber längst nicht mehr die Leistung bringen, die man eigentlich erwarten könnte.

Nach Heidel kam nun auch noch der Trainer nach Gelsenkirchen, welcher in puncto Fachkompetenz und Sympathien Heidel in nichts nachsteht: Markus Weinzierl. Der Coach leistete bei Augsburg erstklassige Arbeit, schaffte mit dem FCA zeitweilig sogar den Einzug in die Europa League. Mit der Doppelspitze Heidel und Weinzierl erhofft sich der FC Schalke 04 endlich den Erfolg, welchen man sich zuvor mit Unsummen von Geld zu erkaufen versuchte.

Natürlich ist aber auch auf der Transferseite so einiges passiert. Spektakulärster Wechsel war der von Basel-Star Embolo. Der Schweizer wechselte für fast 28 Millionen Euro in die Bundesliga und wird einen Stammplatz in der Offensive inne haben wollen. Vom mehrfachen Europa League Sieger FC Sevilla kam Coke, der in der Außenverteidigung für Stabilität und Offensivakzente sorgen soll. Außerdem wurde Ex-Mainzer Baba vom FC Chelsea ausgeliehen, dem wohl auch ein Startplatz auf der Außenbahn sicher sein dürfte. Hinzu wurde Naldo vom VfL Wolfsburg verpflichtet, der sogar ablösefrei wechseln konnte. Damit wurde die Defensive rundum erneuert und auch die Offensive gezielt durch Talent verstärkt.

Das alte Gesicht der Schalker, bestehend aus Neustädter, Matip und zuletzt auch Sané, wurde hingegen abgelegt. Eine neue Einstellung und frische Motivation kann nur dann erreicht werden, wenn man den Umbruch wagt und dafür auch die richtigen Charaktere auf der Bank sitzen hat. Und hier dürfte den Verantwortlichen auf Schalke durchaus ein Coup gelungen sein, der sich natürlich erst einmal beweisen muss. Das wird in einer Spitzenliga wie der deutschen Bundesliga erwartungsgemäß äußerst schwierig, kann aber absolut gelingen.

Bayer 04 Leverkusen

Die Werkself aus Leverkusen zeigte vergangene Saison bisweilen mitreißenden Spitzenfußball. Aber auch das krasse Gegenteil war möglich. Meistens ausgerechnet dann, wenn es eigentlich darum ging, ans Leistungslimit zu gelangen. In dieser Zeit wurde Trainer Roger Schmidt angezählt, der sich mit verschiedenen kaum nachvollziehbaren Aktionen immer wieder ungut in der Presse platzierte. Entweder reiste er zu einem Spiel seiner eigenen Mannschaft nicht an, oder aber er weigerte sich, einem Platzverweis des Schiedsrichters Folge zu leisten. Nun kann man das durchaus auch als kalkuliertes Provozieren abtun, würde aber damit außer Acht lassen, was das eigentliche Problem ist. Schmidt ist wie seine Elf noch zu grün hinter den Ohren – Fans würden das Wörtchen “gewesen” hinten ansetzen. Denn nun soll alles anders werden.

Um die neue Saison entsprechend einzuläuten, wurde Kevin Volland aus Hoffenheim verpflichtet. Der Stürmer, welche sowohl auf den Außen als auch in der Mitte eingesetzt werden kann, zeigte sich in Hoffe nur selten von seiner besten Seite. Umso interessanter wird es zu sehen sein, wie sich der Linksfuß in der jungen und technischen feinen Leverkusener Mannschaft zurecht findet. Denn eines ist klar: Ein Spieler, der 20 Millionen Euro gekostet hat, sollte schnellstmöglich mit Leistung das zurückzahlen, was man für ihn aufgebracht hat.

Doch auch um die Defensive zu verstärken, wurde gezielt eingekauft. Aus Mainz kam der Mittelfeldspezialist Julian Baumgartlinger, der in der österreichischen Nationalmannschaft bereits 48 Spiele machen konnte. Er soll den abgewanderten Kramer ersetzen. Vom Aufsteiger Ingolstadt sicherte man sich die Dienste von Danny da Costa, einem technisch agilen Außenverteidiger im Alter von gerade einmal 22 Jahren.

In Anbetracht der Wechsel ist ersichtlich, dass sich Leverkusen grundsätzlich über die Ausrichtung im Klaren ist. Man will nicht das System umwerfen, genauso wenig irgendeinen Star einkaufen, der alles und noch mehr im Alleingang reißen soll. Es geht darum, das breitgestreute Talent im Kader weiter zu fordern, um echte Klassespieler hervorzubringen. Mit Kevin Kampl ist dies bereits gelungen, auch Hernandez schaffte bei Leverkusen den Sprung zum sicheren und immer gefährlichen Stürmer. Mit Bernd Leno hat man einen der talentiertesten deutschen Keeper als Rückhalt und in der Innenverteidigung steht mit Ömer Toprak ein sehr begehrter und unglaublich stabiler Techniker.

Einziges Fragezeichen steht hinter der Vereinsikone Stefan Kießling, der unter chronischen Beckenschmerzen leidet und dessen grundsätzlicher Einsatz in der kommenden Saison fraglich ist. Sollte er ausfallen, fehlt der Mannschaft ein klassischer Vollstrecker. Ob Volland in diese Fußstapfen treten soll, ist nicht klar. Wie auch immer man mit dem möglichen Ausfall umgeht – Leverkusen ist längst bereit, ganz oben anzugreifen.

RasenBallsport Leipzig

Das Folgende will vielleicht niemand hören, aber es ist nun einmal so: RB Leipzig ist mehr als nur irgendein Aufsteiger. Die Leipziger Mannschaft ist gespickt mit Talenten, soll schnellstmöglich größten Erfolg feiern und trainiert dafür auf einem Niveau, dass nicht jeder Bundesligist bereitsstellen kann. Natürlich sind die Millionen des Sponsors Red Bull maßgebend dafür, dass man überhaupt so universell und zukunftsorientiert planen kann. Am Ende muss man aber dennoch den Hut vor der Arbeit Rangnicks ziehen, der es nach Hoffenheim wieder einmal geschafft hat, Talente zu einer Mannschaft zu formen und gleichzeitig ein sehr erfolgreiches Spielsystem zu etablieren. Das kann ja jeder? Mitnichten!

Für die Bundesliga sorgte der als Fußballoberlehrer verschriene Taktiker dafür, dass ein Spezialist seine Position übernimmt. Ralph Hasenhüttl ist der Auserwählte und vereint die Charaktereigenschaften Bissigkeit, wilde Energie und Sturheit in sich. Genau die richtige Entscheidung für eine Mannschaft, die vor dem Höhenflug abgefangen werden muss. Rangnick machte es in der vergangenen Saison bereits vor, als er Davie Selke aufgrund mangelnder Trainingseinstellung kurzum auf die Bank setzte. Es zählt die Leistung, nicht die Millionen, die man für einen Spieler ausgegeben hat. Am Ende sorgte diese Striktheit auch für den gewünschten Effekt: Selke kam wieder und schoss Tor um Tor.

Hasenhüttl darf sich für seine erste Saison bei Leipzig auf einige neue und sehr interessante Spieler freuen, die ihren Weg nach Leipzig gefunden haben. Aus Salzburg kam Naby Keita, ein herausragendes Talent für die Sechser-Position. Vom VfB Stuttgart sicherte man sich mit Timo Werner das Jungtalent des deutschen Fußballs schlechthin. Für den Platz zwischen Pfosten kam aus Lautern Marius Müller – wobei ihm zu Beginn der Saison allem Jugendwahn zum trotze die Bank droht und Aufstiegstorwart Gúlacsi den Vorzug erhält.

Eines ist bereits jetzt schon zu erwarten: Leipzig wird der neue Hassverein sein. Das was Hoffenheim durchmachen musste, droht nun auch den Spielern des Red Bull Klubs. Ob das nun fair ist oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist auch, dass jede Anfeindung motivierend wirken kann. Zeigt Leipzig das, was man von der Mannschaft erwartet, ist ein Platz im vorderen Drittel definitiv möglich.

Mögliche Enttäuschungen

Für drei Teams sieht es in der Vorbereitung auf die neue Saison nicht ganz so gut aus. Welche das sind, haben wir hier aufgelistet und genauer erklärt.

Borussia Mönchengladbach

André Schubert ist der netteste Trainer der Bundesliga. So viel ist schon einmal sicher. Das Problem ist, dass er wohl von den Verantwortlichen des Vereines nicht ganz so gesehen wird. Er sei zu stur und letztendlich auch beratungsresistent – zumindest drangen diese Sichtweisen als Interna an die Öffentlichkeit. Ob das nun stimmt oder nicht, Schubert war der richtige Mann nach dem Weggang, oder genauer der Flucht, von Favre. André Schubert pflegt einen freundschaftlichen Umgang zur Mannschaft, sucht genau aus, auf wen er sich verlassen kann und drängt sich nicht in den Vordergrund.

Alles gut dann in Gladbach? Weit gefehlt. Mit Xhaka verlor man Heißsporn, Ankurbler und Motivator des Mittelfeldes. Und wen holte man als Ersatz? Christoph Kramer, Mister Knockout aus dem WM-Finale. Dass Kramer ein durchaus talentierter Spieler ist, muss nicht diskutiert werden. Er ist jedoch ein schlicht und ergreifend vollkommen anderer Spielertyp als Xhaka. Und das könnte den Fohlen zum Verhängnis werden.

Nun hat sich zu allem Überfluss auch noch Yann Sommer verletzt und fällt bis voraussichtlich Anfang Oktober aus. Für ihn wird wahrscheinlich Sippel zwischen den Pfosten stehen – ein guter Torwart, der jedoch lange nicht vergleichbare Klasse besitzt.

Es sieht alles nach einem verkorksten Start aus bei Gladbach, auch wenn man mit Vestergaard aus Bremen einen sehr kopfballstarken Innenverteidiger engagieren konnte. Gladbach fehlt aber so ein bisschen das entscheidende Etwas, nachdem nun auch noch Patrick Herrmann verletzt fehlen wird. Ob die Fohlen-Elf tatsächlich um die vorderen Plätze mitspielen wird, bleibt zu bezweifeln. Wie lange an Schubert festgehalten wird, steht ebenso in den Sternen.

Hertha BSC Berlin

Dem Hauptstadtklub ging letzte Saison die Puste aus. Das, was man sich über eine sehr lange Distanz der Saison erkämpft hatte, ging am Ende durch die negativen Erlebnisse ein bisschen verloren. Einzig und alleine der Trainer Dárdai behielt die Ruhe und verwies immer wieder darauf, dass seine Mannschaft noch nicht soweit sei, eine ausgezeichnete Leistung selbst bis zum letzten Spieltag durchzuziehen. Und er sollte damit richtig liegen. Verfällt man deshalb in Panik in Berlin? Keinesfalls.

Wirklich viele Veränderung nahm man nicht vor. Ibisevic wurde fest verpflichtet, Hosogai, Beerens und van den Bergh abgegeben. Ein weiterer Wechsel wurde getätig, um das kreative und torgefährliche Mittelfeldspiel zu verstärken. Der Kroate Ondrej Duda wurde gekauft, der bei der EM in Frankreich bereits mit einigen Einsätzen auf sich aufmerksam machen konnte. Sein Platz wird wohl hinter den Spitzen Ibisevic und Kalou liegen, die er gemeinsam mit Weiser durch kluge Pässe in Szene setzen wird.

Am Ende ist der Kader der Berliner in der Breite nicht gut genug besetzt. Ein Zustand, der Dárdai bereits letzte Saison Sorgen bereitet hat. Hertha hat aber nicht genug Geld, um die großen Transfers zu tätigen. Deshalb muss man eben damit auskommen, was man hat. Solange dies nicht in den berüchtigten “Mut der Verzweiflung” umzuschwingen droht, ist nicht mit einem Absturz zu rechnen. Vorerst zumindest.

VfL Wolfsburg

Bevor das Schiff sinkt, versucht man sich in Sicherheit zu bringen. Ungefähr so ist zu beschreiben, was Julian Draxler versucht hat und was einige Spieler vor ihm bereits erfolgreich hinbekommen haben. Die Flucht von Wolfsburg nimmt immer skurrilere Formen an. Der offen forcierte Abschied von Draxler, welcher ihm kurzum vom Vorstand verweigert wurde, ist der Gipfel des Eisbergs. Was ist los bei den Wölfen? Wieso wollen so viele so schnell weg? Ein Grund kann sein, dass der VfL als “Brückenklub” verschrien ist. Anders ausgedrückt: Wolfsburg ist ein Sprungbrett, bei dem man gut bezahlt wird, aber auch schnell weiter will. Und zwar bestenfalls weiter nach oben!

Nach der letzten unglücklichen Saison verließ Schürrle den Verein. Auch Max Kruse, der eher durch Skandale als durch Tore auf sich aufmerksam machte, suchte das Weite. Zudem konnte der VfL bei Guilavogui die Kaufoption nicht ziehen und man verschwitzte es, mit Naldo zu verlängern. Klingt nach einem ziemlichen Umbruch, wieder einmal. Und wieder einmal hat man Recht, wenn man vermutet, dass dies noch nicht alles gewesen sein wird.

Doch der VfL blieb selbst auch nicht untätig und engagierte mit Daniel Didavi vom VfB und Blaszczykowski gleich zwei schnelle und kreative Offensivspieler, die die Flaute der letzten Saison vergessen machen sollen. Auf der Innenverteidigerposition blieb man nach Naldos Weggang auch nicht ideenlos und holte vom PSV Eindhoven den Holländer Bruma.

Am Ende ist an Dieter Hecking, aus einer Mannschaft, die ehemals eine war und die irgendwie im Laufe der vergangenen Saison das Ziel aus den Augen verlor, wieder eine schlagkräftige Truppe zu formen. Wie gut ihm das gelingt, lässt sich im Vorfeld nicht sagen. Wichtig wird sein, die Störfeuer um den Verein herum so klein wie möglich zu halten – mit Draxler hat das schon einmal nicht funktioniert.

Die potenziellen Absteiger

Werder Bremen

Viktor Skripnik kann einem Leid tun – oder auch nicht. Ich habe nicht mitgezählt, aber mir ist gleich zweimal in Erinnerung, dass der Chefcoach der Bremer eine Niederlage im Nachhinein als “schönes Erlebnis” abgetan hat. Was das soll, weiß niemand. Jedenfalls ist Bremen bei Weitem nicht da, wo sie sich gerne sehen würden. Und ich befürchte, dass es auch kommende Saison wieder einmal nur gegen den Abstieg gehen wird.

Selbstverständlich will man sich die Abstiegszone soweit wie möglich vom Hals halten. Deshalb verpflichtete man unter anderem Max Kruse aus Wolfsburg und hofft, dass Kruse seine Leistungsschwankungen in Bremen unter Kontrolle bekommt. Die Chancen dafür stehen, gelinde gesagt, nicht so gut. Für die Offensive holte man sich außerdem Florian Kainz aus Wien, sowie Lennart Thy aus St. Pauli. Für den nach Gladbach abgewanderten Vestergaard kamen gleich drei potenzielle Nachfolger. Der 29-jährige Sané, zuletzt bei Bordeaux unter Vertrag, hat die besten Chancen, die Position in der Verteidigung zu übernehmen.

Das große Problem der Werderaner vergangene Saison war nicht unbedingt das Spielermaterial, sondern die immer schwankende Leistung der gesamten Mannschaft. Und hier ist es Skripniks Aufgabe, Ruhe reinzubekommen. Bisher zeichnet sich nicht ab, dass die Mannschaft die Handschrift des Trainers versteht, geschweige denn Lesen kann. Ob sich das bis zum Saisonstart noch grundlegend ändern wird, wirkt eher unwahrscheinlich.

Eintracht Frankfurt

Die Relegation gegen Nürnberg wurde mit Ach und Krach gewonnen, das war positiv. Negativ ist, dass man die Leistungsträger Zambrano und Stefan Aigner abgeben musste. Was macht Hoffnung für die Saison 2016/2017? Nun, zum einen ist man mit den Kovac-Brüdern auf der Trainerbank durchaus gut besetzt. Beide Köpfe sind Kämpfer vor dem Herrn und haben natürlich auch taktisch so einiges auf dem Kasten.

Auf der anderen Seite war man selbst auch nicht müde, auf dem Transfermarkt für neuen Schwung innerhalb des Kaders zu sorgen. So holte man für die Defensive gleich vier neue Spieler, auch in der Offensive wurde für Verstärkung gesorgt. Herausragender Wechsel im Angriff dürfte der 22-jährige Kroate Ante Rebic sein, der aus Florenz ausgeliehen wurde. Er kann sowohl im Sturmzentrum wie auch auf den Außen spielen. Seine bevorzugte Position ist hingegen die hinter den Spitzen.

Was macht Mut bei den Frankfurtern? Wenn man die Verletztenliste betrachtet erst einmal nicht so viel. Gleich sechs Spieler fallen aus, die wenn sie fit wären, durchaus Potenzial hätten in der Startelf zu stehen. Hier muss Kovac nun Fingerspitzengefühl beweisen, um das Team so gut vorzubereiten, dass die späteren potenziellen Stammspieler ohne Probleme in die Anfangself überführt werden können.

SV Darmstadt 98

Das Merck-Stadion am Böllenfalltor ist nicht wirklich jedem ein Begriff. Und das, obwohl die Mannschaft des SV Darmstadt bereits eine Saison in der Bundesliga aktiv ist. Woran liegt es, dass die Darmstädter irgendwie die graue Maus des Fußballs sind? An Coach Norbert Meier wird es nicht liegen – denn der ist spätestens seit seinem Disput mit Albert Streit an der Seitenlinie zur Legende mutiert. Meier ist übrigens nun auch der Neue auf der Trainerbank und wird versuchen, im Jahr 1 nach Hasenhüttl, die Liga mit dem SV 98 zu halten.

Was gibt’s auf Transferseite zu berichten? Der Torgarant schlechthin, Sandro Wagner, verließ Darmstadt und wechselte nach Hoffenheim. Findet man einen Ersatz für einen so polarisierenden Stürmer, der Treffer um Treffer für sich sprechen lässt? Darmstadt bisher nicht, es wurde schlicht kein neuer Stürmer für das Zentrum verpflichtet. Ist das die Sicherheit, dass man es auch so schaffen wird? Oder braucht Meier keinen Zentrumkopf, den man immer anspielen kann, der Bälle hält und weiß wo das Tor steht?

Schwierig zu beantworten, gut möglich dass mit der Verpflichtung von Maximilian Beister für die Außenbahn noch ein Coup gelingt. Dann hätte man mit Heller und Beister eine ausgezeichnete Konteroffensive geschaffen, die mit Rosenthal oder Colak den passenden Abnehmer finden könnte. Doch “könnte” ist genau das Problem von Darmstadt. Das Potenzial im Kader fehlt, um wirklich Gefahr im gegnerischen Strafraum entwickeln zu können.